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US-Unternehmensanleihen
„Am aktuell höheren Zins- und Spread-Umfeld partizipieren“

Der Anleihesektor bietet trotz der anstehenden Zinswende immer noch interessante Kaufgelegenheiten. Das gilt derzeit vor allem für US-Corporates, sagt Saida Eggerstedt, Portfoliomanagerin Unternehmensanleihen bei Deka Investment. Im Interview erläutert sie, warum Unternehmensanleihen aus den USA attraktiver sind als europäische und welche Faktoren bei der Auswahl eine Rolle spielen sollten.

Anleihen haben ihren Nimbus als sicherer Hafen längst verloren. Wie beurteilen Sie derzeit die Lage an den globalen Anleihemärkten?

Saida Eggerstedt: In den vergangenen Monaten hat die Volatilität an den Finanzmärkten deutlich zugenommen. Das gilt auch für die Anleihemärkte. Die aufflammenden Sorgen um das chinesische Wirtschaftswachstum führten zu einer kräftigen Korrektur bei einer Reihe von Schwellen­länder­invest­ments sowie bei diversen Rohstoffpreisen. Die Befürchtung, dass sich die Weltkonjunktur insgesamt abschwächt, sorgte weltweit für erhebliche Marktbewegungen. Davon betroffen waren auch Unternehmensanleihen guter Bonität sowie hochverzinsliche Firmenbonds. Die Spreads waren extrem volatil und sind auf breiter Basis günstiger geworden.

Wie beurteilen Sie die Performanceaussichten für Corporates?

Unternehmensanleihen bieten im Gegensatz zu den bonitätsstarken Staatsanleihen immerhin noch einen deutlichen Renditeaufschlag sowie ordentliche Renditeperspektiven. Die stabile Konjunktur sowie die solide Bilanzsituation in den meisten Branchen stützen diese Einschätzung. Positiv hervorzuheben ist außerdem die rege Emissionstätigkeit, vor allem in den USA. Insgesamt bieten sich in diesem Segment weiter attraktive Chancen. Die jüngste Ausweitung der Risikoaufschläge war größtenteils technisch induziert. US-Unternehmen haben sich in Erwartung einer Zinswende verstärkt am Anleihemarkt refinanziert. Über das zusätzliche Angebot kam es zu einer Spread-Ausweitung, die unserer Meinung nach für interessante Kaufgelegenheiten sorgen könnte.

 

Das Zins- und Spread-Umfeld von auf US-Dollar lautenden Corporates weltweiter Emit­tenten ist höher als in Europa.

Saida Eggerstedt

Portfoliomanagement Unternehmensanleihen

Deka Investment

Was sind die wichtigsten Treiber?

In der angelaufenen Quartalsberichterstattung konnten viele Unternehmen mit Gewinnen aufwarten, die über den Erwartungen der Analysten lagen. Die globale Konjunktur zeigt sich trotz des Rückganges einiger Frühindikatoren stabil, was die Assetklasse Unternehmensanleihen unterstützt. Geldpolitische Maßnahmen schaffen weiterhin ein positives Umfeld, auch wenn die Fed die Zinsen in naher Zukunft anheben sollte.

Sie sprechen es an. Inwieweit spielt die aktuelle Notenbankpolitik eine Rolle?

Die Zinspolitik ist enorm wichtig. Die Entwicklung an den Rentenmärkten wurde zuletzt stark durch die Diskussion über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbanken geprägt. Selbst einen baldigen Zinsschritt der US-Notenbank Fed könnte der Markt aus unserer Sicht verkraften. Tatsächlich haben Unternehmensanleihen im historischen Kontext in der frühen Phase von Zinserhöhungen relativ zu anderen Assetklassen profitiert. Insgesamt sehen wir die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft robuster als für Euroland.

 

Deutlicher Spread-Unterschied zugunsten von US-Dollar-Unternehmensanleihen

Quelle: Deka Investment, Bloomberg, Merrill Lynch Indizes (ER00, C0AL), Stand: 31.08.2015. * Optionsbereinigter Spread. Die früheren Spread-Verläufe sind kein verlässlicher Indikator für künftige Spread-Verläufe

Sie haben einen neuen Fonds aufgelegt, der schwerpunktmäßig in US-Corporates investiert. Warum?

Wir beobachten, dass institutionelle Investoren immer mehr selbst ihre Asset Allocation vornehmen wollen. Ein solcher Fonds stellt hierbei einen passenden Baustein dar. Durch die Marktgröße und die Struktur des US-Corporates-Markts ergeben sich für Investoren aus unserer Sicht zwei wichtige Vorteile. Zum einen können sie den Diversifikationsgrad des Portfolios erhöhen. Der US-Corporates-Markt hat eine niedrigere Branchenkonzentration als der europäische. Zum anderen weist der Markt eine bessere Liquidität auf, wodurch die Transaktionskosten gesenkt werden können. Neben dem derzeit attraktiven Bewertungsniveau messen wir beiden Faktoren eine steigende Bedeutung bei. Ziel des Fonds ist es, die Zins- und Kurschancen von Unternehmensanleihen, überwiegend aus den USA, zu nutzen. Wir investieren aber auch in auf US-Dollar lautende Anleihen europäischer Emittenten. Die Investments erfolgen ausschließlich im Investment-Grade-Bereich.

 

Unterschiedliche prozentuale Sektoren-Gewichtung in den Indizes*

Quelle: Deka Investment, Merrill Lynch Indizes (ER00, C0AL), Bloomberg. Die dargestellte Sektorallokation spiegelt den Stand vom 30.08.2015 wieder. Sie kann sich jederzeit ändern und ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Sektorallokation.* Europäische Unternehmensanleihen werden durch The BofA Merrill Lynch EMU Corporate Index repräsentiert, amerikanische Titel durch The BofA Merrill Lynch US Large Cap Corporate Index.

Warum sind US-Corporates attraktiver als auf Euro lautende Unternehmensanleihen?

Das Chance-Risiko-Verhältnis ist bei US-Corporates gegenüber Unternehmensanleihen aus der Eurozone derzeit besser. Das Zins- und Spread-Umfeld von auf US-Dollar lautenden Corporates weltweiter Emittenten ist höher als in Europa – eine Folge des opportunistischen Bestrebens der Unternehmen, sich das aktuell günstige Zinsniveau zu sichern. In den USA hat die Notenbank vergangenes Jahr das Anleihekaufprogramm beendet. Die US-Konjunktur ist stabil, der Arbeitsmarkt hat seine Erholung stetig fortgesetzt. Die Europäische Zentralbank dürfte dagegen vorerst an ihrem Quantitative-Easing-Programm festhalten bzw. eine noch weiter akkomodierende Geldpolitik betreiben. Entsprechend stellt die Geldpolitik für eine längere Zeit eine spürbare Belastung für den Euro dar. Im Umkehrschluss
sehen wir dies potenziell unterstützend für die Nachfrage nach in US-Dollar denominierten Anlagen.

An den Anleihemärkten wächst die Sorge vor zu geringer Liquidität. Wie groß ist das Marktvolumen im Bereich der US-Corporates?

Das Anlageuniversum ist viel breiter und tiefer. Der Markt für Corporates in Europa ist ungefähr 1,7 Milliarden US-Dollar groß und entspricht damit ca. einem Drittel der Größe jenseits des Atlantiks (rund 4,5 Milliarden US-Dollar). Das macht die Auswahl natürlich einfacher. Außerdem – und das ist für uns auch ein wichtiger Punkt – ist die Liquidität deutlich höher. Ein weiterer Punkt: In der Eurozone ist der Markt stark von Banken dominiert, in den USA sind Investoren aus aller Welt aktiv, wodurch die Markttiefe, und damit die Liquidität, höher ist.

Wir arbeiten bei der Auswahl sehr eng mit dem Aktienteam zusammen.

Saida Eggerstedt

Portfoliomanagement Unternehmensanleihen

Deka Investment

Wie gehen Sie bei der Titelauswahl vor?

Die fundamentale Einzeltitelauswahl ist wichtiger geworden. Innerhalb des Bereichs Fundamentales Fondsmanagement findet ein interdisziplinärer Austausch statt. In diesem Zusammenhang fließen zusätzlich zu unserer Bottom-up-Analyse die Einschätzungen unserer Aktienkollegen ein. Wir legen besonderen Wert auf Transparenz, überdurchschnittliches Gewinnwachstum, die Wettbewerbsposition, die Innovationsfähigkeit und die Managementqualität.

Welche Branchen halten Sie für besonders aussichtsreich? Welche Branchen meiden Sie?

Wir halten Financials für attraktiv. Steigende Zinsen sind gut für die Profitabilität der Banken. Die Kreditqualität der US-Banken hat sich im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern nicht zuletzt durch ein stringenteres Risikomanagement in der Folge der Finanzkrise 2008 verbessert. Es gibt in dem Sektor außerdem viele Neuemissionen, wodurch aus unserer Sicht günstige Einstiegschancen generiert werden. Nach der jüngsten Ausweitung der Spreads allokieren wir auch selektiv zyklische Unternehmen mit einem guten Liquiditätsprofil zwecks Beimischung in unseren Portfolios. Außerdem bevorzugen wir Einzeltitel, die – unabhängig von der Branchenzugehörigkeit – von der guten Konjunktur in den USA, speziell vom Binnenwachstum, profitieren werden. Mit Vorsicht betrachten wir Unternehmen im Technologie- und Gesundheitssektor. Aufgrund stagnierender Gewinnerwartungen der Unternehmen sehen wir hier weiterhin ein erhöhtes Risiko negativer Schlagzeilen z. B.für kreditfinanzierte Übernahmen und andere aktionärsfreundliche Maßnahmen.

Eine abschließende Frage: Welche Rolle können Corporates in einem Fixed-Income-Portfolio spielen?

Gerade Unternehmensanleihen guter Bonität sollten für Investoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Portfolios sein. Sie ermöglichen höhere laufende Erträge in einem Umfeld, in dem andere Rentenpapiere nur noch minimale Renditen abwerfen. In diesen Anlageklassen finden speziell institutionelle Investoren die Renditen, die sie am Markt zur Erfüllung ihrer laufenden Verpflichtungen erzielen müssen. Außerdem ermöglicht das große Universum eine breite Streuung, was das Risiko insgesamt reduziert.

 

Erwartete Rendite

Quelle: Deka Investment, Merrill Lynch Indizes ER00, C0AL), Bloomberg; Stand: 31.08.2015.1

Ratingallokation

Quelle: Deka Investment, Stand: 22.10.2015.2

1 Die angegebene Rendite ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Rendite.

2 Die Darstellung erlaubt keine Prognose für die künftige Portfolioallokation.
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt, und unter www. deka.de erhalten.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, November 2015