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Optimierung der Liquidity Coverage Ratio:
Variable Passiveinlagen gezielt nutzen

Viele Sparkassen können die Liquiditätsdeckungsquote nutzen, um Zusatzerträge zu generieren. Mithilfe eines konkreten Maß­nahmen­katalogs unterstützt die DekaBank bei der Optimierung der Kennzahl. Ein Lösungsansatz ist die Kalkulation und Steuerung der variablen Passiveinlagen.

Seit Anfang 2014 ist die Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) zu beobachten und Einzelbestandteile sind zu melden. Ab 1. Oktober gilt die LCR verbindlich. Daher haben Banken und Sparkassen seit Anfang 2014 eine verbindliche LCR zu ermitteln. Diese Kennzahl zeigt den Liquiditäts­puffer an, der stressbedingte Mittelabflüsse der Institute während eines Zeitraums von 30 Tagen kompensieren soll. „Der Quotient aus dem Bestand der als erstklassig eingestuften Aktiva und dem gesamten Nettomittelabfluss der kommenden 30 Tage muss ab 1. Oktober 2015 mindestens 60 Prozent betragen und durch eine stufenweise Erhöhung der Mindestanforderung bis zum Jahr 2018 auf 100 Prozent ansteigen“, erläutert Lars Mohlau, Senior Strategieanalyst Vertrieb Institutionelle Kunden bei der DekaBank.

 

Bestand an hochliquiden Aktiva gegeben

Aufgrund ihres Geschäftsmodells haben viele Sparkassen grundsätzlich eine gute Ausgangsbasis für die LCR. So wies die durchschnittliche LCR der Sparkassen, die am Deka Treasury-Kompass 2014 teilgenommenen haben, eine Kennziffer von 4,55 aus (siehe Grafik Seite 31). Zu dieser komfortablen Ausstattung trägt der hohe Bestand an hochliquiden Aktiva bei, die rund 50 Prozent der Depots A vieler Sparkassen ausmachen. Dabei bilden Anleihen deutscher Bundesländer, Pfandbriefe und europäische Staatsanleihen den Schwerpunkt. „Allerdings erhöht das Wachstum des Einlagengeschäfts die rechnerische Abflussrate“, sagt Mohlau. „Außerdem hat die Konkretisierung der Anforderungen an hochliquide Aktiva zu einer weiteren Reduzierung der Kennziffer geführt.“

Die LCR entwickelt sich von einer regulatorischen Kennzahl zu einer geschäftspolitischen Steuerungsgröße.

Lars Mohlau

Senior Strategieanalyst
Vertrieb Institutionelle Kunden
DekaBank

Durch Anpassungen sowohl im Zähler als auch im Nenner der LCR lässt sich die Kennzahl optimieren und so gezielt für die Generierung von Zusatzerträgen nutzen. Die Durchschnittsbestände der Sparkassen, die am Deka Treasury-Kompass 2014 teilgenommen haben, ermöglichen ein Rechenbeispiel. Dabei wurde die Bilanzsumme exemplarisch auf eine Milliarde Euro normiert (siehe Grafik). Werden die hochliquiden Aktiva im Zähler um 110 Millionen Euro reduziert, beträgt die LCR bei gleichbleibenden erwarteten Liquiditätsab- und -zuflüssen in den folgenden 30 Kalendertagen 1,2. Im Vergleich zur durchschnittlichen Rendite eines LCR-Portfolios können attraktive Spreadvorteile genutzt werden, etwa 0,35 Prozent mit BankSV (zum Beispiel DekaBank 5 Jahre), 0,91 Prozent mit Deka-RentSpezial CorporateBond, 2,20 Prozent mit Deka-RentSpezial Emerging Markets, 2,80 Prozent mit Deka-RentSpezial HighYield oder 0,10 bis 0,12 Prozent mit Wertpapierleihe „35“.

Praxisbeispiel LCR

Quelle: Deka Treasury-Kompass 2014;
Durchschnittswerte aller Sparkassen auf eine Mrd. Euro Bilanzsumme normiert

Potenzial für weitere Investitionen ausschöpfen

Eine weitere Möglichkeit, Zusatzerträge zu erwirtschaften, bietet die Reduzierung des Nenners. „Hier besteht eine Idee darin, Einlagen mit einer festen Kündigungsfrist von mindestens 35 Tagen zu entwickeln“, so der Analyst. Auf diese Weise steigt die LCR in der Beispielrechnung wieder auf 2,4 an, und es entsteht weiteres Potenzial für Investitionen in nichthochliquide Anlagen von rund 20 Millionen Euro. Insgesamt können durch die Reduzierung des Zählers und des Nenners 130 Millionen Euro in Anlageklassen mit attraktiveren Renditen investiert werden (siehe Grafik). Die DekaBank hat einen Maßnahmenkatalog zur Generierung von LCR erstellt und unterstützt bei der Optimierung der Kennzahl.

 

Dabei lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf die variablen Passiveinlagen der Sparkassen. Die variablen Einlagen stellen die wichtigste Refinanzierungsquelle für Sparkassen dar. „In den vergangenen Jahren sind sowohl das Volumen als auch die Volatilität der Volumina stark gestiegen“, sagt Mohlau. Außerdem habe das Geschäft mit variabel verzinslichen Einlagen aufgrund ihrer unbestimmten Kapitalbindung deutlich an Komplexität gewonnen – Kunden können der Sparkasse die Einlagen in voller Höhe oder teilweise auf täglicher Basis entziehen, erklärt der Experte weiter. Hinzu kommt, dass die Margen in der aktuellen Niedrigzinsphase unter Druck geraten (siehe Grafik). Im Neugeschäft, also bei Volumenzuwächsen und Wiederanlagen, lassen sich nur noch geringfügige Margenbeiträge erwirtschaften.

Ergebniswirkung bei Optimierung der LCR

Quelle: Deka Institutionell

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht entsteht daraus die Notwendigkeit, diese Produkte angemessen zu kalkulieren und zu steuern. Da die Ausgangssituation für jede Sparkasse unterschiedlich ist, sind individuelle Lösungsansätze gefragt. Dabei gilt es, verschiedene Kriterien zu berücksichtigen, etwa die Stabilisierung der Ertragslage, die Sicherung der Refinanzierungsbasis, die Generierung auskömmlicher Margen im Kundengeschäft sowie die Optimierung der Einlagen im Hinblick auf die Anrechnung bei der LCR. „Erste Projektergebnisse mit einzelnen Sparkassen zeigen, dass veränderte Weichenstellungen bereits in kurzen Zeiträumen zu positiven Effekten führen“, betont Mohlau. „Die LCR entwickelt sich von einer regulatorischen Kennzahl zu einer geschäftspolitischen Steuerungsgröße. Die Strategieanalyse der DekaBank unterstützt bei der Quantifizierung der Ertragslücken und dabei, individuelle Lösungsansätze zu erarbeiten.“

Variable Passivprodukte – Simulation der Ertragsentwicklung

Quelle: eigene Berechnungen, Datengrundlage TK 2014, gewichteter Ø der Ablauffiktionen aller variablen Passivpositionen; BWZ min. Quantil: 5% der Spk. verfügen über kürzere Ablauffiktionen (Ablauffiktion 47% 3 Mon.; 29 % 5 Jahre; 24% 10 Jahre); BWZ max. Quantil: 5% der Spk. verfügen über längere Ablauffiktionen (Ablauffiktion 16% 3 Mon.; 20 % 5 Jahre; 64% 10 Jahre); Szenariosimulation: bis 10/2014 historische Zinskurve, ab 11/2014 japanische Zinskurve
Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2015