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In der praktischen Umsetzung
Nachhaltigkeit lässt viel Spielraum für aktives Management

Im Prinzip wie jedes Mandat und doch irgendwie anders. Das Management von Nachhaltigkeits­portfolios bringt einige Besonderheiten mit sich.
So verändern die gewünschten Nachhaltigkeits­filter das Anlageuniversum – in manchen Fällen marginal, in anderen sehr grundlegend. Am Ende wird aber auch ein solches Portfolio an altbe­­kannten Erfolgskriterien gemessen: einer guten Performance im Rahmen des Risikoprofils.

Saida Eggerstedt managt Unternehmensanleihefonds für institutionelle Investoren. Restriktionen umzusetzen, die vom Kunden vorgegeben werden, gehört für sie zum Tagesgeschäft. „Im Prinzip ist ein Nachhaltigkeitsfilter für unseren Managementprozess nichts anderes als eine Restriktion“, erklärt sie. Die Suche nach nachhaltigen und zugleich renditeträchtigen Papieren hat für sie trotzdem einen besonderen Reiz: „Wir haben inzwischen wirklich viel Erfahrung darin, was der Kunde will und wie sich daraus dann im Detail ein gutes Anleiheportfolio aufbauen lässt.“

Saida Eggerstedt

Portfoliomanagerin Unternehmensanleihen
Deka Investment

Titelauswahl ist entscheidend

Jan Ludwig Losen, Aktienfondsmanager, sieht das genauso. Auf Basis der Kundenvorgaben werde zwar das Universum gefiltert, bei einem globalen Aktienindex bleiben danach etwa 40 Prozent der Werte übrig. Damit sei die Grundgesamtheit, derer man sich in einem Nachhaltigkeitsportfolio bedienen könne, groß genug. „Daraus lässt sich unter Chance-/Risiko-Aspekten ein sehr attraktives Portfolio entwickeln. Es gibt genug Quellen für Alpha“, so Losen.

Jan Ludwig Losen

Portfoliomanager Aktien
Deka Investment

Ob bei Aktien oder Corporates – die Auswahl der potenzialstarken Einzelwerte aus dem Anlageuniversum ist der maßgebliche Performancetreiber. Und an diesem entscheidenden Punkt unterscheidet sich das Management von nachhaltigen und klassischen Portfolios nur kaum. „Es ist der gleiche fundamentale Ansatz, und es sind die gleichen Sektorspezialisten, die ihre Empfehlungen zu Einzeltiteln abgeben“, sagt Losen, der auf Basis dieser Analysen sein Portfolio steuert.

 

Fakt ist aber auch, dass Eggerstedt und Losen sehr genau darauf achten, den unter Nachhaltigkeitsaspekten besten Wert zu finden. „In den One-on-Ones mit den Unternehmen fragen wir solche Kriterien besonders intensiv nach“, so Eggerstedt.

 

 

Nachhaltigkeitsuniversum – ein breites Spektrum an Anlagemöglichkeiten

Quelle: imug, eigene Berechnung DekaBank. * Gemessen an MSCI World.
 

Permanente Überwachung

Ist ein Nachhaltigkeitsportfolio erst einmal aufgesetzt, läuft der weitere Managementprozess nach eingespielten Mustern. „Die Einhaltung der Kriterien wird systemseitig unterstützt, da ist man immer auf der sicheren Seite“, berichtet Losen. Schon bei der Ordererfassung kann nur gekauft werden, was dem Anforderungskatalog des Kunden entspricht. Zudem wird jedes Portfolio fortlaufend überprüft, in der Regel quartalsweise. Kommt es zu eklatanten Veränderungen, wird beispielsweise ein Korruptionsfall bekannt, dann wird sofort gehandelt. Das sei aber eher die Ausnahme, sagt Eggerstedt: „Weil wir typischerweise in Unternehmen investieren, die gut gemanagt werden.“

 

Folglich ist die Umschlaghäufigkeit nicht höher als bei einem normalen Mandat. „Nur in bestimmten Marktphasen drehen wir etwas öfter, aber das ist dann gut für die Performance“, so Eggerstedt. Dafür sei dann ein ausreichender Handlungsspielraum sehr wichtig, betont Losen: „Unsere Publikumsfonds für Nachhaltigkeit sind alle benchmarkfrei. Das heißt auch: Jeder Einzeltitel, den wir in den Fonds kaufen, hat uns fundamental überzeugt.“ Eggerstedt hält zudem eine globale Ausrichtung für wichtig, um im Anleihesegment genügend Auswahl zu haben: „Das thematisiere ich auch in den Gesprächen mit unseren Kunden. Wenn es möglich ist, die Emerging Markets mit ins Anlageuniversum zu nehmen, ist das auf jeden Fall eine wichtige Ergänzung – auch aus Performancegesichtspunkten.“

 

 

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil des Investmentprozesses

Quelle: DekaBank
 

Kenntnis allein reicht nicht

Der Markt für attraktive Anleihen ist gerade in der aktuellen Phase niedriger Zinsen heiß umkämpft. „Nur zu wissen, welche Titel aus Nachhaltigkeitsaspekten interessant sind, reicht nicht. Wir brauchen auch einen sehr guten Zugang zum Markt“, so Eggerstedt. Da sei es wichtig, dass die Deka in Deutschland für ihre Nachhaltigkeitsfonds sehr bekannt ist: „Wir bekommen viele Anfragen von Emittenten, ob wir ihr Unternehmen kennenlernen oder etwas über ihre Projekte erfahren wollen.“ Ein Vorteil, den viele kleine Anbieter nicht nutzen können.

 

Auch der enge Kontakt von Deka-Analysten zu den Unternehmen zahlt sich aus. „Wir haben ein unabhängiges Buy-side-Research, eines der größten in Frankfurt“, so Losen. Da komme es auch häufig vor, dass Unternehmen mit den Analysten darüber sprechen, wo sie sich verändern müssen, um für einen Nachhaltigkeitsfonds in Frage zu kommen. Doch selbst wenn alle Anforderungen erfüllt sind – entschei­dend ist immer, wie viel Potenzial ein Titel für das Portfolio mitbringt. „Nur wenn uns diese Perspektive überzeugt und das Risiko angemessen ist, wird auch gekauft“, sind sich Eggerstedt und Losen einig.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2015