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Faktorprämien
Neue Renditequellen erschließen

Auf der Suche nach neuen Antworten: Das Niedrigzinsumfeld sorgt dafür, dass Strategien für renditeträchtige Anlagen überdacht werden müssen. Mit einem Faktorprämienansatz können institutionelle Anleger auch weiterhin in traditionelle Anlageklassen investieren. Der Auswahl und Zusammenstellung kommt allerdings eine große Bedeutung zu.

Herr Peker, erfinden Sie das Rad neu?

Ahmet Peker: Nein. Aber das andauernde Niedrigzinsumfeld stellt Anleger vor neue Herausforderungen. Eine andere Perspektive auf die Finanzmärkte kann dabei helfen, zu­sätzliche Renditequellen zu erschließen, beispielsweise indem man die markttreiben­den Risikofaktoren und die damit verbun­denen Prämien differenzierter betrachtet.

 

Wie wird denn klassischerweise vorgegangen?

Traditionell wurde dem Risiko, das mit einer bestimmten Anlageklasse verbunden ist, eine entsprechende Gesamtprämie gegenübergestellt (siehe Grafik). Bei einer Investition in DAX-Werte geht man beispielsweise das Risiko ein, dass der Index auch fallen kann. Das Aktienrisiko besteht aber nicht nur aus einem einzigen Risikofaktor, sondern kann in verschiedene Teilrisiken zerlegt werden. Genauso gibt es nicht die eine Gesamtprämie, sondern diese besteht aus verschiedenen Teilprämien (Faktorprämien).

Mit einem Risikoprämienansatz investieren institutionelle Investoren in traditionelle Anlageklassen, wenden dabei aber eine andere Perspektive an.

Ahmet Peker

Quantitatives Fondsmanagement
Deka Investment

Welche Risikofaktoren gibt es und wie kommen Sie zu diesem anderen Ansatz?

Es gibt eine Vielzahl relevanter Risikofaktoren, die den Großteil des Aktienmarktrisikos erklären. Zahlreiche Studien dokumentieren Aktienfaktorprämien zum Beispiel in Verbindung mit der Unternehmensgröße, dem Preis-Buchwert-Verhältnis, der Bilanzqualität oder der Volatilität der jeweiligen Aktie. Sinnvolle Risikofaktoren sollten aber nicht nur eine hohe Erklärungskraft vergangener Aktienrenditen besitzen.

 

Was für eine Aussagekraft sollte ein Risikofaktor denn haben?

Ein Risikofaktor sollte einen ökonomischen Wirkungszusammenhang beschreiben, der auch in Zukunft eine persistente, positive Faktorprämie erwarten lassen kann. Dabei ist es weniger interessant, wenn ein Risikofaktor ein relativ großes Risiko aufweist, die dazugehörige Prämie jedoch vergleichsweise klein ist. Bei einem günstigen Rendite-­Risiko-Verhältnis ist der Faktor attraktiver für eine Investition.

Wie lassen sich Faktorprämien erklären?

Faktorprämien können durch verschiedene Ansätze rationalisiert werden. Risikobasierte Erklärungen basieren auf dem Gedanken, dass die Faktorprämie für die Übernahme eines systematischen Risikos kompensiert. Oft greifen aber auch verhaltensbasierte Argumente. Zudem gibt es strukturelle Erklärungsansätze, die aufzeigen, wie die Funktionsweise eines Markts dauerhaft Marktineffizienzen begünstigen kann.

Und wie sieht zum Beispiel ein entsprechendes Aktienportfolio dann aus?

Ein solches Aktienportfolio würde sich entlang der identifizierten Aktienfaktoren diversifizieren, um die korrespondierenden Prämien bestmöglich zu vereinnahmen. Das Quantitative Fondsmanagement von Deka Investment verfolgt diese Investmentphilosophie schon seit vielen Jahren in der Umsetzung diverser Aktienfonds wie dem Deka-Europa Aktien Spezial oder dem Deka-Globale Aktien LowRisk.

 

Risikoprämiensicht am Beispiel von Aktien

Quelle: Deka Investment

Gilt der Faktorprämienansatz nur bei Aktien?

Nein. Faktorprämien lassen sich auch bei anderen Anlageklassen wie Staatsanleihen oder Währungen und Rohstoffen identifizieren. Um die Fundierung von Faktorprämien zu beurteilen, sollten aber grundsätzliche Kriterien zugrunde gelegt werden. Danach sollte die Faktorprämie plausibel und ihre Existenz nachweislich belegt sein.

Können Sie weitere Kriterien nennen?

Die Faktorprämie sollte implementierbar sein, d.h. eine geringe Komplexität aufweisen, liquide sein und Diversifikationsvorteile bieten.

Wo liegen die Vorteile Ihrer Betrachtung?

Durch die Nutzung von Faktorprämienansätzen investieren institutionelle Investoren weiterhin in traditionelle Anlageklassen, wenden dabei aber eine andere Perspektive an. Im aktuellen Niedrigzins­umfeld stellen Faktorprämien außerdem eine attraktive Ergänzung zu einer konventionellen Anlageklassensicht dar, da sich damit neue Renditequellen erschließen lassen.

Gibt es in diesem Zusammenhang denn auch Nachteile?

Der Auswahl und der Zusammenstellung von Faktorprämien kommt eine große Bedeutung zu. Es muss berücksichtigt werden, dass die Hinzunahme neuer Risikofaktoren möglicherweise auch zu erhöhten Anforderungen an das Risikomanagement führen kann.

Was ist Ihr Fazit?

Durch die gezielte Investition in ausgewählte Faktorprämien können neue Renditequellen mit bekannten Instrumenten erschlossen werden. Es können Korrelationseigenschaften der Faktorprämien untereinander und mit anderen Anlageklassen genutzt werden. So entsteht insgesamt ein attraktives Rendite-
Risiko-Verhältnis.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, November 2015