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Ertragreich investieren
„Dividenden sind die neuen Zinsen“

Über niedrige Zinsen klagen oder ertragreichere Alternativen suchen. Eine andere Wahl haben Investoren derzeit nicht. Denn das Warten auf bessere Zeiten am Anleihemarkt wird noch lange dauern. Umso besser, dass es auch andere Wege zu hohen und stabilen Erträgen gibt: dividendenstarke Aktien.

Schlimmer geht immer. Es liegt inzwischen mehr als ein Jahr zurück, als Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, explizit „die Möglichkeit negativer Einlagenzinsen“ ausschloss. Wenige Monate später, am 5. Juni 2014, war es dann doch so weit. Die EZB hat den Negativzins für Einlagen von Banken eingeführt. Damit war klar: Der Trend zu immer niedrigeren Zinsen macht auch nominal nicht an der Nulllinie halt.

Real haben Investoren sich längst mit dem schleichenden Abschmelzen ihres Vermögens arrangiert. Denn mit niedrigen Kupons für Bundesanleihen und viele Unternehmensbonds lässt sich die Inflation nicht mehr ausgleichen. Dabei bieten genau jene Unternehmen, deren Anleihen in der Gunst der Investoren weit oben stehen, echte Alternativen. Sie zahlen oft seit vielen Jahren stabile und hohe Dividenden, die deutlich über den derzeitigen Anleihezinsen liegen. „Dividenden sind die neuen Zinsen“, sagt deshalb auch Jörg Boysen, Head of Equities bei Deka Investment.

 

Investoren kaufen Aktien meist mit langfristiger Perspektive. Sie wollen den Ertrag aus der Dividende und ihr Kapital erhalten.

Jörg Boysen

CIO und Leiter

Fundamentales Fondsmanagement

Verlässliche Zahler

Deutsche Schwergewichte wie Allianz, BASF, Daimler oder Siemens gehören zu den verlässlichen Zahlern, haben zusammen im letzten Jahr zehn Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. Insgesamt war mit deutschen Standardwerten eine Dividendenrendite von 3,4 Prozent zu erzielen. Auch wer global investiert, kann sich langfristig an der Drei-Prozent-Marke orientieren. „Die sogenannten Dividenden­aristokraten wie Coca-Cola, Procter & Gamble, McDonald's, Nestlé, Novartis oder Unilever haben in den letzten zehn Jahren regelmäßig Dividenden über 3 Prozent ausgeschüttet“, so Boysen. Und das nicht, um ihre Anleger bei Laune zu halten, sondern weil sie mit ihren soliden Geschäftsmodellen auch bei wirtschaftlichen Schwankungen noch ausreichend Gewinne erwirtschaften konnten.

Stabile Gewinne und auch sonst sehr solide Unternehmenskennzahlen sind für Boysen das zentrale Auswahlkriterium für Dividendentitel: „Wer nur auf die Dividendenrendite schaut, kann schnell auch mal daneben liegen. Manche Unternehmen schütten viel aus und zehren damit an ihrer Substanz.“ Man müsse sich deshalb mit jedem einzelnen Titel sehr intensiv beschäftigen, bevor man investiert. Bilanzstärke der Unternehmen, strukturelle Profitabilität, Wachstums­potenzial und auch Marktstärke zählen zu den relevanten Kenngrößen, sagt Boysen: „Nur wenn dieses Fundament stimmt, wird der Dividenden­vorteil zum schlagenden Argument.“

 

Wir suchen Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen, die Investoren ein hohes Maß an Verlässlichkeit bieten.

Dr. Ilga Haubelt

Fondsmanagerin Deka-Dividenden Strategie
Deka Investment

Dividende bringt empirischen Vorteil

Dieser Vorteil lässt sich nicht nur an aktuellen Zahlen, sondern auch langfristig empirisch belegen. Eine Untersuchung für europäische Aktien zeigt, dass in den zurückliegenden 40 Jahren etwa 80 Prozent der Wertsteigerung aus Dividenden resultieren – gemessen am MSCI Europe Total Return. In den USA liegt der Wert bei etwa 70 Prozent. Noch aussagekräftiger ist eine Studie von AllianceBernstein (siehe Grafik). Hier wurde untersucht, was aus einem einmaligen Investment von 100 US-Dollar in zehn Jahren wird – und zwar in rollierenden Zehn-Jahres-Perioden seit 1977. Das Ergebnis: Wer in den S&P 500 investiert hat, erzielt im Durchschnitt einen Rückzahlungswert von 267 US-Dollar. In allen untersuchten Zeiträumen gab es nur fünf Fälle, in denen der Einstandskurs nach zehn Jahren nicht erreicht war. Wenn sich Investoren in dieser Untersuchung nicht für den breiten Markt, sondern für die dividendenstarken Titel entschieden haben, dann lag ihr durchschnittlicher Rückzahlungswert deutlich höher: bei 330 US-Dollar ohne Reinvestition der Dividende. Es gab nur einen einzigen Zeitraum mit einem leicht negativen Ergebnis. Das war im Jahr 2008; in diesen Zeitraum fallen die Tech-Blase und die Finanzkrise.

Höhere Ertragschancen bei einem gleichzeitig geringeren Risiko für das eingesetzte Kapital sprechen also klar für eine Anlagestrategie in Dividendenaktien. „Für Investoren ist nach meiner Erfahrung vor allem das reduzierte Risiko wichtig. Denn sie kaufen Aktien meist mit langfristiger Perspektive, wollen regelmäßig den Ertrag aus der Dividende erzielen und ihr Kapital erhalten“, so Boysen. Kursgewinne seien nicht das primäre Anlageziel.

 

Deka-DividendenStrategie: Dividendentitel mit attraktiverer Rendite 10-Jahres-Return aus einem 100-USD-Investment

 

 

 

 

Quelle: AllianceBernstein; Stand: September 2014 2 Das Portfolio besteht aus dem oberen Drittel der Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen des S&P 500. Die Aktien sind gleich gewichtet und das Portfolio wird monatlich angepasst.

Solidität und Langfristigkeit sind entscheidend

Diesem Grundprinzip folgend hat Deka im August 2010 einen Dividendenstrategie-Fonds aufgelegt. Der Fonds schwankt weniger als der Gesamtmarkt, schüttet zweimal jährlich die erwirtschafteten Erträge aus und schafft seit Auflegung eine Ausschüttungsquote von mehr als drei Prozent im Schnitt. Dr. Ilga Haubelt, Managerin des Deka-DividendenStrategie, zeigt in der Praxis, dass all die empirischen Phänomene rund um die Dividende tatsächlich stimmen. Das ist auch keine große Überraschung, wie sie sagt: „Wir alle kennen und nutzen täglich Produkte von genau den Unternehmen, in die ein Dividendenfonds überwiegend investiert. Das fängt schon beim Aufstehen an, wir benutzen im Bad die Produkte von L’Oréal, Unilever oder Procter & Gamble, kochen den Kaffee von Nestlé, fahren mit einem VW, Daimler, Toyota oder BMW zur Arbeit, um nur ein paar Beispiele zu nennen.“ Es seien nicht nur starke Marken, sondern vor allem auch über viele Jahre erprobte Geschäftsmodelle, die dem Investor ein sehr hohes Maß an Verlässlichkeit böten.

Gleichwohl will sich Haubelt in ihrem Fonds nicht nur auf die etablierten Klassiker konzentrieren, die jeder Analyst im Visier und jeder Fonds im Portfolio hat. „Unser Universum umfasst 1.500 Aktien, aus denen wir zwischen 100 und 200 aussichtsreiche Werte auswählen“, erklärt Haubelt. Dabei gilt ihr besonderes Augenmerk jenen Werten, die von den meisten Analysten wenig beachtet werden, deren Kennzahlen aber hochinteressant sind. Sie untersucht, ob das Pay-out-Ratio niedriger ist als im Sektordurchschnitt, wie hoch die Unternehmensverschuldung ist, wie sich die Aktie im Vergleich zum Sektor entwickelt, wie das Momentum der Wertentwicklung aussieht. „Wir haben ein großes Team von rund 40 Analysten und Portfoliomanagern, können uns also interessante Unternehmen sehr genau anschauen und unsere Einschätzungen mit den jeweiligen Sektorspezialisten diskutieren“, berichtet sie.

 

Systematische Suche nach Aufsteigern

Gefällt ihr ein Unternehmen, ist der direkte Kontakt zum Unternehmenslenker für Haubelt ganz entscheidend: „Wir sprechen mit jedem Vorstand, diskutieren die Strategie.“ Erst wenn das Gesamtbild aus Kennzahlen und Unternehmensstrategie stimmig ist, wird investiert. „Grundsolide muss ein Unternehmen sein, vor allem wenn wir einen Außenseiter ins Portfolio holen“, sagt Haubelt. Von Vorteil ist dabei, dass der Fonds an keine feste Benchmark gebunden ist. Vor­gaben zu Regionen- oder Sektorengewichtung brächten zu starke Einschränkungen.

 

Haubelt ist mit ihrem Fonds nahezu voll investiert: „Etwa 95 Prozent des Fondsvermögens sind direkt in Aktien angelegt, weitere 5 Prozent über Futures, um im Bedarfsfall schnell handeln zu können.“ Ob die Zusammensetzung des Portfolios zum aktuellen Umfeld passt, wird regelmäßig überprüft. Jede Woche durchlaufen alle investierten Werte ein umfangreiches Screening. „Stunde der Wahrheit“, nennt Haubelt diesen Prozess. Auf Basis der Performance für die Zeiträume Woche, Monat, 13 Wochen und seit Jahresbeginn wird nach Top und Flop sortiert. Bei Unternehmen, die schlechter abschneiden als der Durchschnitt, untersucht Haubelt, ob die zugrunde liegende Investmenthypothese noch stimmig ist. „Wenn ja, dann kaufen wir nach.“ Denn gerade Dividendentitel würden einen besonders starken Trend zur sogenannten Mean Revision aufweisen. Sprich: Sie bewegen sich schnell wieder in Richtung des Mittelwertes.

Der strenge Auswahl- und Screeningprozess sowie die konsequent umgesetzte Investmentphilosophie führen im Ergebnis zu einer konstant guten Performance. 47,09 Prozent hat der Fonds seit Auflegung zugelegt, 6,06 Prozent im laufenden Jahr. Hinzu kommt die hohe und regelmäßige Ertragsausschüttung zweimal im Jahr. „Viele Investoren nutzen den Fonds aufgrund dieser Eigenschaften als Aktienbaustein für ihren Eigenbestand“, weiß Haubelt.

Schrittweiser Einstieg in Aktien lohnt sich Rollierende Zeitreihen seit 1957

Quelle: DekaBank; Stand: November 2014

Bewertungspuffer aufbauen

Immer öfter gefragt wird dabei auch nach Sparplänen – vor allem dann, wenn Investoren zwar grundsätzlich mit weiter steigenden Aktienkursen rechnen, aber sich nicht auf einen einzigen Einstiegszeitpunkt festlegen wollen. Achim Röhm vom Vertrieb für Institutionelle Kunden kennt diese Situation aus vielen Gesprächen: „Für Investoren ist der Aufbau von Aktienpositionen über Sparpläne der einfachere Weg – auch mit Blick auf den Einsatz ihrer Risikobudgets.“ Es steht zwar außer Frage, dass bei steigenden Aktienmärkten eine sofortige Direktinvestition mehr Rendite bringt als der schrittweise Einstieg. In Seitwärts­märkten sind aber die Sparpläne im Vorteil. Vor allem auf längere Sicht kann der Sparplan überzeugen, weiß Röhm aus historischen Analysen zum deutschen Aktienmarkt.

Für seine Berechnungen hat er rollierende Zeitreihen seit 1957 untersucht. Der Median-Sparplan – der Mittelwert aller untersuchten Reihen – kommt bereits im ersten Jahr auf ein Plus (vgl. Grafik), 75 Prozent aller Sparpläne liefern nach spätestens drei Jahren einen positiven Beitrag. „Die Zeit spielt ganz klar für den Sparplan“, so Röhm zu den Ergebnissen. Ein weiterer Vorteil sei, dass sich auf diesem Weg schon innerhalb kurzer Zeiträume Bewertungspuffer aufbauen ließen, die Investoren zusätzlichen Spielraum für Aktieninvestitionen böten.

Es gibt sie also, die Alternativen zu niedrigen Zinsen. Mit einem Sparplan als risikoschonendem Einstieg in den Aktienmarkt lassen sich die Vorteile der Dividende als neuer Ertragsbringer systematisch erschließen. Und so spielt die Zeit dann auch endlich wieder für den Investor.

Rollierende Zeitreihen seit 1957

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2015