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Lorne Campbell
„Niedrige Renditen setzen Kreativität frei“

Lorne Campbell leitet seit August 2016 den Vertrieb Institutionelle Kunden der Deka-Gruppe. Im Interview mit Markt & Impuls spricht Campbell über seine Ziele, sein Angebot an bestehende und potenzielle Kunden und erklärt, warum ein herausforderndes Marktumfeld für kreative Lösungen sorgen kann.


Interviewpartner: Lorne Campbell; Deka Institutionell


 

Ihr Name, „Lorne Campbell“, klingt britisch …?

Campbell: Der klingt nicht nur so, der ist es auch. Ich bin in Schottland geboren, lebe und arbeite aber schon seit über 27 Jahren in Deutschland. Ich habe damals Germanistik studiert und ein Auslandsjahr in Deutschland verbracht. Dann habe ich als Trainee bei der institutionellen Kundenbetreuung der damaligen DG Bank (heute DZ) gearbeitet, und so fügte sich eins zum anderen. Nach Abschluss des Studiums habe ich meinen persönlichen Brexit vollzogen und bin wieder zurück nach Deutschland gegangen. Hierzulande wird den Schotten ja oft nachgesagt, dass sie Geld gut zusammenhalten können. Das versuche ich in jedem Fall mit dem Vermögen unserer Kunden, insofern habe ich gegen dieses kleine Vorurteil auch nichts einzuwenden.

 

Warum haben Sie sich gerade für die Deka entschieden?

Campbell: Die Deka ist in Deutschland eine starke Marke mit viel Potenzial – gerade im institutionellen Geschäft. Schon heute arbeitet sie erfolgreich mit vielen Sparkassen zusammen, will aber darüber hinaus auch mit anderen institutionellen Kunden noch stärker wachsen. Was mir an der Deka besonders gefallen hat, waren die Werte der Sparkassen-Finanzgruppe, die auch das Fundament der Deka-Gruppe bilden: Stabilität, Verlässlichkeit und der Anspruch, Kunden die für sie passenden Lösungen anzubieten. Dies zusammen mit internationaler Expertise und Fachkenntnis, für die auch das gesamte Team im institutionellen Bereich steht, ist eine spannende und solide Ausgangsbasis. Das hat mich begeistert.

„Qualität und Verlässlichkeit sind heute Eigenschaften, die von Investoren sehr geschätzt werden.“

Lorne Campbell

Leiter Institutionelle Kunden

Jetzt haben Sie die Deka ein halbes Jahr von innen erlebt. Müssen Sie Ihren Blick auf die Deka korrigieren?

Campbell: Nein, im Gegenteil. Ich erlebe die Deka so, wie ich sie mir im Vorfeld vorgestellt habe. Besonders der klare Kundenfokus ist überall spürbar. Das erste Gebot war für mich schon immer, dass ich meine Kunden genau kennen muss, um erfolgreich mit ihnen arbeiten zu können. Ich glaube, dass es für unsere Ziele entscheidend ist, dass wir uns als starkes Team in den Dienst der Kunden stellen.

 

Wie haben sich die Erwartungen institutioneller Kunden in den letzten Jahren verändert?

Campbell: Auf zweierlei Weise: Einerseits haben die niedrigen Renditen dazu geführt, dass der Kunde mehr denn je auf Performance, Kosten und Umfang des Leistungsangebotes achtet. Die Arbeit eines Asset Managers ist aus diesem Grund herausfordernder als je zuvor. Andererseits denken institutionelle Anleger zunehmend auch an alternative Anlagen und bauen in diesen Bereichen eigene Expertise auf. Diese Situation setzt auch eine große Menge an Kreativität frei.

 

Kreativität wofür?

Campbell: Das Thema Asset Allocation muss im gegebenen Umfeld neu gedacht werden – sowohl bei Investoren als auch bei uns. Das Ergebnis sind neue Investmentvehikel und Strukturen, zum Beispiel im Bereich der alternativen Investments, Finanzierungen oder auch der Wunsch zur Anlage in Kunst.

 

Wo liegen denn die besonderen Stärken von Deka Institutionell, womit überzeugen Sie Ihre Kunden?

Campbell: Unsere Kunden schätzen uns als stabilen und verlässlichen Partner – zu Recht, wie unsere jüngsten Finanz- und Nachhaltigkeitsratings zeigen (www.deka.de/dekagruppe/investor-relations/ratings). Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns so auch positiv von Mitbewerbern abheben können. Daneben haben wir in vielen Bereichen eine langjährig gewachsene Expertise, etwa im Immobilienbereich. Hier arbeiten wir mit vielen unserer Kunden bereits über eine lange Zeit sehr erfolgreich zusammen. Unser direkter Kontakt zu den Sparkassen gibt uns eine andere, spezifische Möglichkeit: Wir können beispielsweise das Investitionsverhalten von Sparkassen anonymisiert vergleichen und hieraus neue Impulse für einzelne Häuser ableiten. Unsere wichtigste Stärke ist aber, die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfassen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich. Und so gilt es, für jeden individuell und ganzheitlich die jeweiligen Anforderungen zu berücksichtigen – auch mit Blick auf die regulatorischen oder sonstigen spezifischen Herausforderungen, vor denen der Kunde steht und für die er Lösungen braucht.

„Wir haben die besten Voraussetzungen, um im direkten Kontakt mit Kunden die drängendsten Fragen von Niedrigzinsumfeld oder Regulatorik erörtern und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“

Lorne Campbell

Leiter Institutionelle Kunden

Welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter dabei?

Campbell: Bereits kurz nach meinem Start bei der Deka war ich sehr von dem Blick für Details und der Wissenstiefe der Kollegen beeindruckt. Dies sind für mich die besten Voraussetzungen, um im direkten Kontakt mit Kunden die drängendsten Fragen von Niedrigzinsumfeld oder Regulatorik zu erörtern und gemeinsam Lösungen erarbeiten zu können. Ganz entscheidend ist für mich, dass wir unsere Expertise und unsere Beharrlichkeit in Sachfragen zu 100 Prozent in den Dienst des Kunden stellen. Wir hören erst zu und entwickeln dann im Anschluss passgenaue Lösungen. Dies ist zwar nicht der leichteste, aber der für alle Beteiligten beste Weg. Sie haben das Niedrigzinsumfeld angesprochen.


Welche Rolle können klassische Anlageklassen wie etwa Aktien noch spielenCampbell: Das ist eine Frage der Perspektive. Man sollte nicht den Fehler machen und Renditen erwarten, wie sie noch vor zehn Jahren möglich waren. Vier oder fünf Prozent sind heute risikoarm nicht mehr realistisch. Im Gegenteil, heute sind selbst zinslose Papiere bereits mit vergleichsweise hohen Risiken behaftet. Doch darauf kann man sich einstellen. Im Bereich der Aktieninvestments empfiehlt es sich heute mehr denn je, in Unternehmen mit stabilen Dividendenerträgen zu investieren. Auf der kürzeren Zeitebene wird es immer wieder Rallys anderer Titel geben, langfristig sollten Investoren jedoch Qualität bevorzugen. Im nächsten Schritt bieten sich auf Basis dieses qualitätsorientierten Schwerpunkts weitere Strategien an. Ich denke dabei an quantitative Ansätze oder Derivate-Strategien, mit denen wir für unsere Kunden einen Mehrwert schaffen können.

 

Und was ist die Antwort auf diese höheren Risiken? Mehr Diversifikation in Form von alternativen Investments? Und wie schaffen Sie es, in diesem Bereich besser zu sein als die Konkurrenz?

Campbell: Wir verlassen uns auf unsere Erfahrung und lassen niemals die Bewertung aus den Augen. Multi-Asset ist zu Recht seit einigen Jahren das bestimmende Thema für viele Investoren. Die Asset Allocation entscheidet am Ende auf taktischer und strategischer Ebene über den Erfolg eines Portfolios. Gerade in herausfordernden Marktphasen ist es wichtig, sich breit aufzustellen und auch neue Wege zu gehen. Wir sind bekannt dafür, Risiken mit Bedacht einzugehen und den langfristigen Erfolg zu suchen. Selbst wenn es z. B. im Bereich Immobilien andere Anbieter gibt, die mehr Transaktionen abwickeln oder teurere Objekte im Bestand haben als wir, lassen wir uns davon nicht beeindrucken. Am Ende entscheiden die Erträge. Und die bewertet man am besten im Rückblick. Die Niedrigzinsphase hält nunmehr seit acht Jahren an. Nun drehen zumindest die USA langsam an der Zinsschraube.


Sehen Sie in den großen Wirtschaftsräumen mittelfristig wieder Inflationsraten jenseits der Zwei-Prozent-Marke, oder ist diese Zeit vorbei?

Campbell: Wir glauben, dass die Zinsen langfristig auf einem niedrigen Niveau bleiben werden. Dies heißt aber nicht, dass wir nicht an Veränderungen glauben. Die USA haben bereits vorsichtig eine Zinswende eingeleitet. Der Trump-Sieg und Renzis Niederlage in Italien haben ebenfalls ihre Wirkung gezeigt. In Europa ist während der vergangenen Monate eine Diskussion um Tapering entbrannt, was zur Folge hatte, dass einige Renditen bereits wieder angestiegen sind. Diese Ereignisse zeigen, dass wir gut daran tun, uns den Veränderungen zu stellen und nicht nur die Zinspolitik, sondern auch die politische Stimmung weltweit ganz genau zu beobachten.


Zum Schluss hätten wir gerne noch eine Insiderinformation von Ihnen: Was macht Schottland, wenn der offizielle Brexit kommt? Können wir dann in Edinburgh mit dem Euro bezahlen?

Campbell: Bei Prognosen zu möglichen Volksentscheiden rät die Vernunft derzeitzur Zurückhaltung – und der Vernunft pflege ich zu folgen. Persönlich würde ich mich sehr freuen, wenn Schottland Teil der EU bliebe.

Porträt

Lorne Campbell

Leiter Institutionelle Kunden

DekaBank


Lorne Campbell verfügt über mehr als 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung und ist als Partner und Berater institutioneller Investoren im In- und Ausland tätig gewesen. Seine berufliche Laufbahn führte von Schröder Münchmeyer Hengst & Co. über Cheuvreux de Virieu zur Credit Suisse, bei der er zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung in Deutschland das Aktiengeschäft leitete.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017