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Lösungen für 2016
Effektiv und umsetzbar

Institutionelle Investoren werden im neuen Jahr noch stärker auf Ansätze und Strategien angewiesen sein, mit denen sich höhere Erträge erzielen lassen, ohne dabei die Risiken aus den Augen zu verlieren. Quantitative Ansätze wie Risiko-Overlay und Factor-Investing oder die Erschließung neuer Renditequellen sind Lösungen dafür. Zeit für einen neuen Blickwinkel auf die Welt der Kapitalanlage.

 

Von Dr. Ulrich Neugebauer

Leiter Quantitatives Fondsmanagement & ETF, Deka Investment

 

Die aktuelle Situation am Kapitalmarkt erinnert an ein Zitat aus dem Film ‚Der Club der toten Dichter‘: „Gerade wenn man glaubt, etwas ganz sicher zu wissen, muss man sich um eine andere Perspektive bemühen.“ Über 30 Jahre lebten Investoren in einer Welt, in der sichere Staatspapiere auskömmliche Erträge brachten und das Portfolio stabilisierten. Eine Beimischung von Aktien sorgte für Zusatzerträge. Eine im Nachhinein angenehme und – relativ – sichere Welt.

 

Doch das ist vorbei. Sichere Staatstitel bringen kaum noch Rendite. Zugleich haben bei als sicher eingestuften Papieren die Kursschwankungenstark zugenommen. Daran wird sich auch 2016 nichts ändern. Die Zinssituation im Euroraum dürfte sich nicht grundlegend entspannen, die Schwankungen an den Kapitalmärkten werden hoch bleiben. In einem solchen Umfeld liefern traditionelle Ansätze nicht mehr die aus der Vergangenheit bekannten Renditen. Daher müssen Anleger entweder geringere Erträge akzeptieren oder höhere Risiken eingehen, was angesichts der begrenzten Risikobudgetsfür viele institutionelle Investoren nicht möglich ist. 

Das Risiko-Overlay hilft Investoren, ihre Risiken kontrolliert zu erhöhen.

Dr. Ulrich Neugebauer

Leiter Quantitatives Fondsmanagement & ETF
Geschäftsführer Deka Investment GmbH

Permanente Risikoüberwachung als Erfolgsfaktor

Wer allerdings für einen Perspektivwechsel bereit ist, kann auch in dieser Situation proaktiv agieren. Eine Antwort auf die Herausforderungen kann das Risiko-Overlay sein. Damit können Anleger die Risiken im Portfolio kontrollieren und gezielt steuern. Das bietet die Chance, Diversifikationsvorteile zwischen verschiedenen Anlageklassen und -strategien zu nutzen und so das Risikobudget effizienter einzusetzen. Stark vereinfacht gesagt funktioniert ein Risiko-Overlay so: Ein Investor hat eine maximale Verlusttoleranz, die zum Beispiel bei drei Prozent liegt. Wir errechnen dann, mit welcher Wahrscheinlichkeit bei einer gegebenen Allokation welcher Verlust im schlimmsten Fall zuerwarten ist. Ist dieser Verlust höher als die drei Prozent, muss das Risiko heruntergefahren werden. Andernfalls kann der Investor es sogar erhöhen. Wichtig ist dabei, Extremszenarien zu berücksichtigen, um die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung des Risikobudgets zu minimieren.

 

Da sich institutionelle Investoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld verstärkt risikobehafteten Anlagen zuwenden müssen, kann es kaum überraschen, dass die Nachfrage nach diesem Tool, das wie ein Airbag wirkt, zunimmt. Und das dürfte sich 2016 fortsetzen. Denn das Charmante an einem Risiko-Overlay ist, dass Anleger so nach höheren Erträgen suchen können, ohne dabei die Risiken aus den Augen zu verlieren. In einem Masterfonds können damit sogar ungenutzte Risikobudgets in den zugrundeliegenden Einzelsegmenten sinnvoll auf der Gesamtebene des Fonds eingesetzt werden. Damit haben Anleger insgesamt eine breite Palette an Möglichkeiten, auf die 2016 zu erwartenden Herausforderungen zu reagieren und verschiedene Anlagestrategien, Konzepte und Assetklassen effektiver zu kombinieren.

 

Faktorprämien: mit LowRisk die Sharpe Ratio verbessern

Mancher Investor wird sich aber auch die Frage stellen, was er auf der Ertragsseite tun kann. Bei traditionellen Anlagen wie Aktien und Anleihen bietet sich hier die Investition in Faktorprämien an, was wirin unseren LowRisk-Produkten bereits seit acht Jahren umsetzen.

 

Prinzipiell gehen Investoren davon aus, dass einem Investment am Aktienmarkt ein allgemeines Risiko gegenübersteht, das durch eine Prämie, die Aktienrisikoprämie, entlohnt wird. Das ist grundsätzlich richtig, greift aber zu kurz. Hinter der Idee des Factor-Investing steht die Erkenntnis, dass sich dieses allgemeine Aktienmarktrisiko in verschiedene Teilrisiken oder analog hierzu die Aktienmarktprämiein entsprechende Faktorprämien zerlegen lässt.

FAKTORPRÄMIEN LOWRISK-AKTIEN EUROPA*

Wertentwicklung im Überblick

Quelle: DekaBank * Die angegebene Wertentwicklung ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Solche Faktoren von Aktien sind zum Beispiel Value-Kriterien, das Momentum, die Unternehmensgröße, die Volatilität und andere Risikomaße. Da manche dieser Prämien attraktiver sind als andere, zahlt sich eine gründliche Analyse und Selektion aus. Dazu kommt: Richtig miteinander kombiniert, sind die einzelnen Faktoren zueinander und zum Gesamtmarkt gering korreliert. Ein so konstruiertes Portfolio besitzt eine verbesserte Sharpe Ratio. Das heißt, Anleger können so einen zusätzlichen risikoadjustierten Mehrertrag erzielen.

 

Einen solchen Mehrertrag bezeichnet man als Anomalie. Ein Beispiel dafür ist die Low-Volatility-Strategie, also die Fokussierung auf Aktien, die weniger risikoreich und schwankungsanfällig sind. Grundsätzlich gilt am Kapitalmarkt das Credo, dass das Eingehen höherer Risiken mit höheren Erträgen kompensiert wird. Aufgrund der Ausrichtung vieler Mandate an einer Benchmark müssen sich Investoren, um den Markt zu übertreffen, auf die eher riskanteren Bereiche des Anlageuniversums konzentrieren. Solche Titel weisen aber einen geringeren risikoadjustierten Ertrag auf. Zudem hat die Kapitalmarktforschung empirisch festgestellt, dass Aktien mit niedrigerer Volatilität langfristig ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis bieten, also eine höhere Sharpe Ratio aufweisen, und sich sogar absolut besser entwickeln können als der breite Markt.

 

Die Ausnutzung dieses Effekts gelingt noch besser, wenn man sich nicht allein auf die Volatilität fokussiert. Eine Aktie, die in einem Zeitraum um zehn Prozent sinkt, weist die gleiche Volatilität auf wie eine, die in der gleichen Periode um zehn Prozent steigt. Um die Titel zu finden, die eine „positive“ Volatilität bieten, setzen wir im quantitativen Research auch auf andere Faktoren, die das Ertrags-Risiko-Verhältnis einer Aktie über die Ertragskomponente positiv beeinflussen. Und tatsächlich konnten unsere LowRisk-Produkte in den vergangenen acht Jahren höhere Sharpe Ratios erzielen als statische Konzepte oder der Gesamtmarkt.

 

Factor-Investing funktioniert aber auch bei Staats- und Unternehmensanleihen, bei Währungen oder bei Rohstoffen. Eine Kombination von Faktorprämien über verschiedene Assetklassen erhöht dann zusätzlichdie Zahl der Renditequellen und trägt damit zur Reduktion der Risiken und zur Glättung des Renditeverlaufs bei.

Wir suchen nach der investierbaren Kombination von Faktoren, die aus unserer Sicht die beste Sharpe Ratio liefert.

Dr. Ulrich Neugebauer

Mit Absolute-Return-Ansätzen zusätzliche Renditequellen erschließen

Einen dritten Weg, um auf die aktuelle Situation zu reagieren, bieten Absolute-Return-Strategien. Dabei geht es darum, sich mittels unterschiedlicher, benchmarkfreier Ansätze, bei denen der Einsatz von Absicherungsstrategien, Derivaten oder Hebeln möglich ist, den Zugang zu unkorrelierten Zusatzerträgen zu erschließen. Zu den besonders etablierten Ansätzen gehören marktneutrale Aktienstrategien. Hier investiert der Fondsmanager in die Aktien, die nach seinem Selektionsprozess besonders attraktiv sind. Umgekehrt setzt er bei Titeln, die er als unattraktiv identifiziert, auf fallende Kurse. Durch die Balance zwischen diesen Long- und Short-Positionen ist das Portfolio marktneutral. Renditetreiber sind dann vornehmlichder Kursanstieg der Long-Aktien und der Kursrückgang der Short-Aktien. Theoretisch ist der Fondsmanager damit in der Lage, in jedem Umfeld eine positive Rendite zu erzielen, unabhängig davon, wie sichder Markt insgesamt entwickelt.

 

Das Entscheidende bei solchen Strategien ist, die richtigen Ansätze zu selektieren und die einzelnen Strategien zum Umfeld passend zu gewichten. So kann das vorhandene Risikobudget effizienter genutzt und eine große Anzahl von Renditetreibern erschlossen werden. Beispielsweise verfolgen wir diese Philosophie in unserem Multistrategiekonzept seit über zehn Jahren erfolgreich. Wir setzen dabei auf eine stringente Betaneutralität und ein dezidiertes Risikomanagement.

 

Ausblick für quantitativeAnlagestrategien

Wir müssen unsere Ansätze aber laufend weiterentwickeln. Schließlich ist der Kapitalmark tnicht statisch, sondern im Gegenteil extrem dynamischen Entwicklungen unterworfen. Deshalb verfügen wir mit IQKap (www.iq-kap.de) über ein eigenes Institutfür quantitative Kapitalmarktforschung, in dem Experten aus verschiedenen Richtungen eingebunden sind. Grundsätzlich geht es darum, unsere Fähigkeiten im quantitativen Research kontinuierlich weiter zu verbessern, also Risiken schneller zu erkennen und präziser zu berechnen.

 

Im Jahr 2016 und darüber hinaus wird unsaber eine andere Stoßrichtung besonders beschäftigen: die Integration neuer Datentypen in den Anlageprozess und die Erfassung zusätzlicher entscheidungs­relevanter Daten. Darüber hinaus wird die zeitliche Verfügbarkeit von Daten immer wichtiger. Informationen wie volkswirtschaftliche oder firmenspezifische Kennzahlen sind erst mit einer gewissen Zeitverzögerung vorhanden. Wir forschen aktuell daran, wie wir andere Quellen oder Datenstrukturen nutzen können, um ökonomische Daten, zum Beispiel zur Inflation oder zum Wirtschaftswachstum, schneller zu erhalten, als das gegenwärtig möglich ist. So können wir noch früher auf Entwicklungen reagieren.

 

Durch diese Neuerungen werden auch Anpassungen in der IT-Infrastruktur notwendig, um neue Datentypen, höhere Datenmengen und schnellere Verarbeitungszeiten zu ermöglichen. Langfristig gehen wir aber davon aus, dass dies ein wichtiger Baustein sein wird, um Investoren künftig noch bessere Lösungen für jedes Kapitalmarktumfeld zu bieten.

Dr. Ulrich Neugebauer

 

Der promovierte Physiker ist seit 1998 bei der Deka Investment GmbH. Dort leitet er seit dem 1. Juli 2003 den Bereich QuantitativesFondsmanagement. Dr. Neugebauer ist zudemseit 2008 Mitglied der Geschäftsführung der Deka Investment GmbH.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2016