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Jahresstartprodukte
Die Weichen auf Ertrag stellen

Gerade zum Jahresstart bieten sich für Sparkassen gute Möglichkeiten, bestehende Spielräume in Erträge umzumünzen. Ob mittels strukturierter Produkte, einer Wertpapierleihe oder Zukäufen bei bestehenden Fondspositionen – die Möglichkeiten sind trotz Niedrigzinsen vielfältig, wie die Deka-Produktexperten
Patrick Traughber, Carsten Krapp und Marco Peters in unserem Interview aufzeigen.

Stabile Erträge zu erzielen bleibt auch 2016 für Investoren eine Herausforderung.

Welche Möglichkeiten gibt es für Sparkassen?

Traughber: Es geht im derzeitigen Marktumfeld stärker denn je darum, ordentliche Erträge zu generieren, die auch aus Risikosicht zur Anlagestrategie der Sparkassen passen. Dies ist zwar vordergründig während der vergangenen Jahre herausfordernder geworden, doch besitzen gerade Sparkassen noch immer attraktive Potenziale. Ein Beispiel hierfür sind die Bewertungsreserven in den Wertpapierbeständen, die Abschreibungsrisiken reduzieren können oder es möglich machen, sich zu derzeit günstigen Konditionen zu refinanzieren. Unter diesen Umständen können auch im aktuellen Umfeld die nötigen Ergebnisbeiträge erzielt werden.

 

Gerade zu Jahresbeginn sehen wir sowohl bei strukturierten Produkten wie Single Callables, Credit-Linked-Notes oder Aktienanleihen hohe Chancen auf planbare, ordentliche Erträge – passend zur individuellen Risikotragfähigkeit. Aber auch das Aufstocken von Fondsbeständen oder die Wertpapierleihe bieten die Chance, attraktive Erträge zu liefern.


Warum ist es gerade zum Jahreswechsel interessant, Fondsbestände aufzustocken?

Traughber: Für die Sparkassen ist es von großer Bedeutung, zu welchen Kursen Fondsanteile in den Büchern stehen. Ist ein Fonds im Kurs gestiegen, besteht die Möglichkeit, weitere Anteile nachzukaufen und den Einstandskurs so „hochzumischen“. Der neue Mischkurs liegt dennoch unterhalb des aktuellen Marktkurses und bietet einen Sicherheitspuffer. Diese Herangehensweise kann vor umgehenden Abschreibungsrisiken schützen. Ein weiterer Weg, den wir in Zusammenhang mit Fonds empfehlen, ist das „Vergünstigen“. Hat ein Fonds zuletzt nachgegeben, können diese niedrigen Kurse insbesondere zu Jahresanfang genutzt werden, um Cost Averaging zu betreiben. Der Kunde hat dann noch das gesamte Jahr Zeit, um die Entwicklung des Fonds zu beobachten und an einer positiven Wertentwicklung zu partizipieren.

 

Welche Rolle spielt dabei das Risikomanagement?

Traughber: Die wichtigste Voraussetzung dafür, Fondsbestände aufzustocken, ist natürlich, dass der Kunde vom Fonds, seiner Anlagestrategie überzeugt ist und eine positive Wertentwicklung erwartet. Ausgangspunkt weiterer Entscheidungen ist die jeweilige Asset Allocation der Sparkasse. Erst wenn die Asset Allocation Spielräume für zusätzliche Fondsanteile lässt, kommen diese Instrumente infrage.

 

Warum haben Wertpapierleihen in diesen Tagen ebenfalls Saison?Krapp: Viele Sparkassen eröffnen am Anfang des Jahres die Positionen wieder, die im Dezember geschlossen wurden. Dabei lohnt sich eine Wertpapierleihe durchaus ganzjährig. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Eine Landesschatzanweisung mit einer Laufzeit von fünf Jahren hat eine Rendite von fünf Basispunkten. Wird dieses Wertpapier verliehen, generiert dies einen Zusatzertrag von bis zu 20 Basispunkten. Oder anders ausgedrückt: Die Wertpapierleihe liefert bis zu 80 Prozent der Erträge des Geschäfts. Ich möchte betonen, dass es durchaus ratsam sein kann, über den Jahreswechsel hinaus Kontinuität walten zu lassen. Gerade bei der Wertpapierleihe sehen wir zwischen den Jahren die höchsten Ertragsmöglichkeiten. Auch wenn viele Sparkassen dazu neigen, sich zum Jahresende von Positionen zu trennen, raten wir Kunden in diesem Bereich ganz besonders dazu, dabeizubleiben. Insbesondere dann, wenn schon klar ist, dass eine Leihe im neuen Jahr fortgeführt werden soll, lohnt es sich nicht, Positionen über den Jahreswechsel zu schließen – zumal nach der modernen Auslegung der Bilanzierung für Wertpapierleihen kein Aktivtausch in der Bilanz vorgenommen werden muss, sodass sich die bilanziellen Forderungen gegenüber Kreditinstituten nicht verändern. Eine Studie zur Auslegung der Bilanzierung von der KPMG stellen wir unseren Sparkassen gerne zur Verfügung.

 

Welche Varianten der Wertpapierleihe kommen für Sparkassen infrage?

Krapp: Sparkassen haben im Grunde die Wahl zwischen einer b.a.w.-Leihe mit einer Kündigungsfrist von 35 Tagen oder aber festen Terminen. In der Regel gilt der Grundsatz, dass der Leihertrag mit der Dauer der Leihe zunimmt.

 

Die Wertpapierleihe liefert bei einer Landesschatzanweisung bis zu

80 Prozent der Erträge.

Carsten Krapp

Leiter Kompetenzteam Sparkassen
Nord/Ost

 

Aufgrund der Anforderung der LCR müssen Sparkassen immer einen gewissen Anteil an Wertpapieren im Bestand halten. Die Wertpapiere, die zur Erfüllung der LCR nicht benötigt werden, sind aus unserer Sicht die Wertpapiere, die eine Sparkasse aktiv mit der Wertpapierleihe bewirtschaften kann. Gerade deshalb ist die Leihe35 so interessant. Aufgrund der 35-tägigen Kündigungsfrist hat das Wertpapier für den Entleiher einen regulatorischen Wert, da er es auf seine LCR-Quote anrechnen kann. Und gleichzeitig bleibt die Sparkasse so flexibel wie möglich, da sie die Leihe jederzeit kündigen kann und nach 35 Tagen das Wertpapier zurückgeliefert bekommt.

 

Natürlich gibt es auch Sparkassen, welche die LCR noch weiter aufbauen möchten. Für diese Sparkassen bieten wir mit der Wertpapierentleihe35 die umgekehrte Variante. Die DekaBank fungiert dabei als LCR-Drehscheibe im Verbund – von Sparkassen für Sparkassen. Hinzu kommt, dass die Wertpapierentleihe35 für viele Sparkassen in der Gesamtrechnung deutlich günstiger als der direkte Erwerb von hochliquiden Aktiva ist.

 

Sowohl die Wertpapierleihe als auch das Aufstocken von Publikumsfonds sind an bestehende Wertpapierpositionen gebunden. Wie können Sparkassen mit strukturierten Produkten punkten?

Peters: Diese Produkte ermöglichen dem Kunden, sich relativ flexibel ein Ertragsportfolio zusammenzustellen. Dabei gilt es besonders hervorzuheben, dass Sparkassen mit Produkten mit Zusatzertrag von hohen Volatilitäten profitieren können. Die Volatilität als Anlageklasse zu nutzen kann eine sinnvolle Alternative zum Niedrigzinsumfeld sein. Strukturierte Produkte mit einmaligem Kündigungsrecht, also die sogenannten Single Callables, profitieren zum Beispiel durch höhere Kupons bei steigender Volatilität. Aktuell bietet ein zehnjähriger Single Callable der DekaBank mit einmaligem Kündigungsrecht seitens der Emittentin nach zwei Jahren einen Kupon von 1,50 Prozent p. a. und damit einer Mehrertrag gegenüber einer zehnjährigen Plain-Vanilla-Anleihe der DekaBank von 0,17 Prozent p. a.

 

Mit Fondspositionen lässt sich ein Portfolio zum Jahresanfang optimieren.

Patrick Traughber

Leiter Institutionelle Kunden
Sparkassen Mitte
DekaBank

 

Wie sehen die Vorteile von Bonitätsanleihen aus?

Peters: Wenn Sparkassen ohnehin Papiere eines Emittenten im Bestand haben, kann mit einer Bonitätsanleihe auf Referenzschuldner mit einer positiven Basis ein Zusatzertrag generiert werden. Beispielsweise zeigt aktuell eine DekaBank Bonitätsanleihe auf den französischen Versorger EDF mit Laufzeit fünf Jahre einen Kupon von 1,40 Prozent p.a. Dies bedeutet einen Mehrertrag von 0,74 Prozent p. a. gegenüber der aktuellen fünfjährigen Anleihe von EDF mit einer aktuellen Rendite von 0,66 Prozent.


Wie individuell können Aktienanleihen der Deka auf das Bedürfnis der Sparkassen zugeschnitten sein?

Peters: Kunden, die sich für Aktienanleihen entscheiden, haben sich zuvor zu Aktien bekannt. Aktienanleihen bieten darüber hinaus die Vorteile, einerseits von Volatilität zu profitieren und andererseits Aktienrisiken zu minimieren. Durch die Wahl des Strikes können Kunden die Aktienanleihe an ihre Bedürfnisse anpassen. Beispielsweise wählen viele Sparkassen den Strike bei85 Prozent, um gegen fallende Kurse einen Puffer einzubauen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, zwischen der klassischen Aktienanleihe und der Aktienanleihe Plus zu wählen. Letztere Variante bietet einen Basispreis von 100 mit einer kontinuierlichen Barriere welche bei gleichem Kupon einen höheren Sicherheitspuffer als die klassische Variante bietet. Da die Volatilität einen Einfluss auf Aktienanleihen hat, raten wir Sparkassen dazu, Aktienanleihen häufiger zu zeichnen. Statt vier Mal jährlich eine größere Tranche können es auch zwölf kleinere Tranchen sein. So wird der Effekt, den die Volatilität auf die Kurse hat, geglättet.All diese Parameter bieten Sparkassen zahlreiche Möglichkeiten, strukturierte Produkte exakt in ihr Portfolio einzupassen.

 

Sie sehen mehrere Möglichkeiten, wie Investoren gemeinsam mit der Deka im derzeitigen Marktumfeld Erträge generieren können. Wie wägen Sie zwischen den einzelnen Varianten ab?

Krapp: Sparkassen sind keine homogene Gruppe, jede Sparkasse muss individuell beraten werden. Dennoch haben alle unsere Kunden unterm Strich dasselbe Ziel: Es geht darum, in einem herausfordernden Umfeld Erträge zu generieren. Strukturierte Produkte, Zukäufe bei Fonds oder aber auch Wertpapierleihen sind Lösungen, mit denen Sparkasse dieses Ziel erreichen können.


Was sinnvoll ist, hängt nicht zuletzt von den Voraussetzungen der Kunden ab. Um Erträge mit Wertpapierleihen zu generieren, müssen verleihbare Wertpapierbestände vorhanden sein. Während die eine Sparkasse die LCR-Anforderung übererfüllt und im Bereich der Wertpapierleihe Spielräume hat, muss eine andere Sparkasse womöglich Wertpapiere entleihen, um den Vorgaben gerecht zu werden. Andere Sparkassen möchten vielleicht gerne in Aktienanleihen investieren, scheuen sich aber vor eventuellen Abschreibungen. Dann kann die Umsetzung über einen Fonds sinnvoll sein.


Generell gilt: Wir analysieren jede Sparkasse individuell – beispielsweise im Rahmen des Deka Treasury-Kompasses – und überlegen uns – meist gemeinsam mit der Sparkasse –, welche Impulse im Depot-A für die Gesamtbank gesetzt werden können. Erst dann können wir maßgeschneiderte Vorschläge machen.

Carsten Krapp

ist Leiter Kompetenzteam Sparkassen
Nord / Ost, DekaBank.

Marco Peters

ist Leiter Kompetenzteam Strukturierte Produkte,

DekaBank.

Patrick Traughber

ist Leiter Kompetenzteam Sparkassen
Süd / West, DekaBank.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2016