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Einsatz von Zinsoptionen
Das unerwartete Risiko im Zinsbuch gezielt steuern

Die Zinsen werden nach breiter Auffassung noch eine Weile sehr niedrig bleiben. Wer trotzdem Schutz vor unerwarteten Zinsänderungen sucht, kann als Instrument der Risiko­steuerung neben den etablierten Swaps auch Swaptions nutzen. Diese Optionen zum Abschluss eines Zinsswaps bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Sie können passgenau zur individuellen Strategie einer Sparkasse ausgestaltet werden. Schließlich müssen sich Kreditinstitute vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen auch für den Fall unerwarteter Zinsänderungen absichern können.

Der Einsatz von Derivaten zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Sparkassen sollte sich nicht nur auf den Abschluss von Zinsswaps beschränken. Ergänzend dazu bieten sich verschiedene Zinsoptionen an. Durch den Einsatz von Swaptions können Risiko-Szenarien gezielt abgesichert werden, zum Beispiel ein unerwartet starker Zinsanstieg. Außerdem kann oftmals auch der Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) reduziert werden.

 

Umgang mit Zinsderivaten in der Praxis

Die in den vergangenen Jahren gesunkenen Zinsen führten bei einer Vielzahl von Sparkassen zu einem stetigen Aufbau von stillen Reserven im Zinsbuch. Wurden die Wertzuwächse bei den Anlagen nicht bereits durch deren Verkauf realisiert, so sind sie von zwei Seiten her in Gefahr: Die Wertpapiere werden zur Fälligkeit in der Regel zu pari getilgt, sodass Kursverluste drohen. Gleiches gilt für einen unerwarteten Zinsanstieg, der ebenfalls zu sinkenden Notierungen führen würde. In diesem Fall würden die in der Vergangenheit verbuchten Kursgewinne im Zinsbuch dahinschmelzen wie Eis in der Sonne und sich schlimmstenfalls komplett auflösen. Die Steuerung des Zinsänderungsrisikos erfolgt in den Sparkassen bisher größtenteils durch den Einsatz von Zinsswaps, meist in der Form von Festzinszahler-Swaps. Sie ermöglichen die Risikoreduktion bei steigenden Zinsen. Allerdings führen diese Instrumente in Abhängigkeit vom Abschlusszeitpunkt gegebenenfalls zu einem hohen Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Dies gilt insbesondere im aktuellen Umfeld sehr niedriger Zinsen und einer steilen Zinsstrukturkurve. Kreditinstitute schrecken deshalb häufig vor dem Abschluss eines Zahlerswaps zurück, weil sie kurzfristig nicht mit einem starken Zinsanstieg rechnen.

Korridorbildung über den 10-Jahres-Swapsatz mit Optionen

Quelle: DekaBank

Bei diesen Überlegungen ist jedoch Vorsicht geboten, da ein unerwarteter Zinsanstieg bei den aktuell sehr niedrigen Zinsen höhere Abschreibungsrisiken birgt und damit einhergehend die Auslastung des Basel-II-Zinsrisikokoeffizienten ansteigen könnte. Dieser Koeffizient gibt Auskunft darüber, ob ein Kreditinstitut einem erhöhten Zinsänderungsrisiko ausgesetzt ist. Dies ist dann der Fall, wenn bei einer plötzlichen Verschiebung der Zinsstrukturkurve um 200 Basispunkte nach oben oder unten der Marktwert- beziehungsweise Barwertverlust im Zinsbuch des Institutes den Wert von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals übersteigt. Im aktuellen Deka Treasury-Kompass wurde für 163 untersuchte Sparkassen ein durchschnittlicher Basel-II-Zinsrisikokoeffizient von 18,98 Prozent ermittelt.

 

Barwertabsicherung mit Korridorbildung – Einsatz von Swaptions

Alternativ zum Abschluss eines Zahler­swaps in der Gegenwart kann die Sparkasse das Recht erwerben, zu einem späteren Zeitpunkt in einen bereits aktuell definierten Zahlerswap einzutreten, also eine Zahlerswaption zu kaufen. Die Laufzeit der Swaption und des ihr zugrunde liegenden Swaps können von einer Sparkasse gemäß ihrer Strategie und Risikoeinschätzung frei gewählt werden, beziehungsweise sie können individuell zwischen Sparkasse und DekaBank bezogen auf das gewünschte Risikoprofil im Zinsbuch vereinbart werden.

Für das Recht, zu einem späteren Zeitpunkt in einen bereits definierten Zahler­swap einzutreten, zahlt die Sparkasse eine einmalige Prämie an die DekaBank. Die Höhe der (Absicherungs-)Prämie ist dabei abhängig von der Laufzeit der Option, der Laufzeit des Swaps und dem vereinbarten Festsatz im Swap (Basispreis).

 

Kauf Zahlerswapoption

Indikationen freibleibend, per 04.02.2014; Quellen: Bloomberg, DekaBank

 

Zur Senkung des Prämienaufwandes kann sich die Sparkasse im Gegenzug verpflichten, bei nochmals sinkenden Zinsen in einen aktuell definierten Zahlerswap einzutreten. Die Sparkasse verkauft dementsprechend eine Empfängerswaption. Durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf wird für die Optionslaufzeit ein Korridor um den zugrunde liegenden Swapsatz gelegt. Der Korridor kann individuell zur Meinung der Sparkasse ausgestaltet werden. Die Anpassung des Korridors an die aktuellen Marktbedingungen kann im regelmäßigen Turnus im Rahmen der internen Anlageausschuss-Sitzungen der Sparkassen erfolgen (hier im Beispiel monatlich). Die Prämie für den Kauf der Zahler­swaption kann auch vollständig durch den Verkauf der Empfängerswaption finanziert werden – die Wahl der Ausgestaltung (Basispreis) bestimmt den Korridor.

 

Beispiel: Abschluss eines Swaption Collars

Die Sparkasse sichert sich für einen Monat einen Korridor um den 10-Jahres-Swapsatz zwischen1,607 und 2,377 Prozent. Sollte der Swapsatz am Ende der Optionslaufzeit von einem Monat oberhalb von 2,337 Prozent liegen, hat die Sparkasse das Recht, in einen 10-jährigen Festzinszahler-Swap einzutreten, dementsprechend jährlich fest 2,377 Prozent zu zahlen und halbjährlich den 6-Monats-Euribor® zu empfangen. Liegt der 10-Jahres-Swapsatz in einem Monat unterhalb der 1,607 Prozent, so muss die Sparkasse in einen 10-jährigen Festzinszahler-Swap eintreten, dementsprechend jährlich 1,607 Prozent fest zahlen. Dafür empfängt sie halbjährlich den 6-Monats-Euribor®. Liegt der 10-Jahres-Swapsatz in einem Monat innerhalb des Korridors, werden beide Optionen nicht ausgeübt. Die Kosten der Optionen heben sich im Beispiel gegenseitig auf. Nach einem Monat wird der Einsatz der Swaption-Collar-Strategie wieder durch Neuabschluss an das dann gültige Marktniveau und die Risikosituation der Sparkasse angepasst.

Sparkassen eröffnen sich mit Swaptions im Rahmen der Zinsbuchsteuerung eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Zur Erfassung der Swaptions in SimCorp Dimension (SCD) stellt die DekaBank eine Eingabehilfe für Sparkassen zur Verfügung. Gleiches gilt für einen Leitfaden „Neue Produkte Prozess“ (NPP), mit dem Kreditinstitute vor Einführung eines Produktes ihre technische und organisatorische Kompetenz für dieses dokumentieren.

 

Fazit

Der Einsatz von Swaptions im Rahmen der Zinsbuchsteuerung bietet Sparkassen ein weiteres Instrument zur Risikosteuerung. Der GuV-Aufwand ist bei Abschluss der Swaptions bekannt (Optionsprämie). Im Falle der Absicherung gegenüber steigenden Zinsen mittels Zahlerswaption partizipiert die Sparkasse weiterhin an konstanten beziehungsweise sinkenden Zinsen auf Gesamtbankebene. Die damit verbundenen Wertzuwächse im Zinsbuch werden durch den Einsatz von Swaptions während deren Optionslaufzeit nicht beschränkt und die Sparkasse profitiert in diesem Zeitraum weiterhin von der Fristentransformation.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2014