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Anlagestrategie 2015:
Die Beziehung von Rendite und Risiko neu definieren

Bei der Anlagestrategie 2015 kann es lohnend sein, mit alten Denkmustern zu brechen. Denn manches, was sich Investoren bei der Kapitalanlage über die letzten Jahre angeeignet haben, ist heute obsolet. Das gilt vor allem für das Verhältnis von Risiko und Rendite.


Von Matthias Schillai

Die Beziehung von Rendite und Risiko muss grundlegend neu definiert werden. In der Vergangenheit waren die Renditen klar zugunsten der Bonds verzerrt, insbesondere in der Zeit seit 1980: Die realen Renditen für Bonds lagen weltweit im Schnitt bei über 6 Prozent, wie eine Untersuchung von Dimson, Marsh and Stauton (2013) zeigt. Somit hat eine Rentenanlage nicht nur auskömmliche Erträge gebracht, sondern der Kupon hat auch die Auswirkungen von Marktschwankungen abgemildert.

Dieser Effekt fällt heute weg – mit Konsequenzen für die Anlagestrategie. Ein Blick auf die letzten beiden kräftigen Kurseinbrüche am deutschen Aktienmarkt zeigt: Von 2000 bis 2003 hat der DAX etwa 70 Prozent eingebüßt, mit deutschen Anleihen war in der gleichen Zeit ein Plus von 26 Prozent zu erzielen. Folglich musste das 2,7-Fache in Anleihen investiert werden, um den Aktiencrash auszugleichen. 2008, im Zuge der Finanzmarktkrise, hatte sich die Relation schon etwas verschlechtert. Um die Aktienverluste von 54 Prozent aufzufangen, musste der Rentenanteil das 3,7-Fache betragen. Heute, bei historisch niedrigen Zinsen, sieht die Rechnung ganz an­ders aus: Bei einem Einbruch der Aktienmärkte um 30 Prozent müsste man mehr als das 10-Fache in Rentenpapieren angelegt haben, um den Verlust auszugleichen. Für den „sicheren Hafen“ Rentenanlagen ist die „Liegegebühr“ folglich extrem hoch.

Eine hohe Qualität der Gesamtanlage gelingt nur über eine breite Diversifikation.

Matthias Schillai

Leiter Strategieanalyse und Consultants

Der Ertragslücke entgegenwirken

Ein Teufelskreis also, denn hohe Investitionen in renditeschwachen Rentenanlagen werden immer mehr zum Problem. Noch ist es so, dass mit den Altbeständen in Direktanlagen die Zielerträge vieler Investoren – also 3 bis 4 Prozent – erfüllt werden können. Auf diesem Niveau etwa liegt derzeit der gleitende 10-Jahres-Durchschnitt für lang laufende Pfandbriefe. Aktuell rentieren diese jedoch unter 1 Prozent. Das bedeutet: Mit jeder Reinvestition von Fälligkeiten entsteht eine immer größere Ertragslücke. Und dieser Zustand wird noch eine Weile an­­dauern, auch wenn die Renditen in nächster Zeit wieder leicht ansteigen sollten.

Im Umkehrschluss heißt das: An mehr Risiko bei der Direktanlage führt kein Weg vorbei. Dabei gilt es, mit Bedacht vorzugehen. Zum einen muss eine hohe Qualität der Ge­samt­anlage angestrebt werden, und das gelingt nur über eine breite Diversifikation. Bei einem Ausfall ist es ein erheblicher Unter­schied, ob das Portfolio nur zehn oder mindestens 100 Emittenten umfasst. Zum anderen ist für viele Investoren auch die Verlängerung der Laufzeiten eine Option, um Ertragslücken bei der Neuanlage zu schließen. Der Ansatz kann aber nur im Kontext der Verbindlichkeiten ausgereizt werden, da wenige besonders lang laufende Anlagen das Portfolio über Jahrzehnte beeinflussen.

Eine weitere Stellschraube ist die Struktur der Kapitalanlage. Der Rentenanteil liegt aktuell bei über 80 Prozent und die Di­versifikation in Spread-Anlagen hat noch nicht ausreichend Gewicht in der Gesamt­allokation. Die Aktienquote ist mit weniger als 5 Prozent gering und auch in Immobilien ist nur ein Bruchteil des Vermögens investiert. Dabei besitzen gerade Aktien viele sehr gute Eigenschaften für die institutionelle Kapitalanlage, die vor dem Hintergrund der enthaltenen Risiken oft vernachlässigt werden: hohe Liquidität, Transparenz, eine lange Historie, effiziente Derivatemärkte. Die damit verbundenen Risiken lassen sich mit den richtigen Ansätzen in vernünftige Bahnen lenken. Etwa mit Dividendenstrategien oder Produkten aus der Low-Risk-Welt, bei denen ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis entscheidend für die Titelauswahl ist.

 

Neuanlagen treiben Gesamtanlagen in die Unterverzinsung

Quelle: DekaBank, Stand: November 2014

Auf mehr Diversifikation setzen

Doch auch Immobilien sind ein Trend, der anhalten wird. Wer langfristige Verpflichtungen hat, kann sehr gut langfristig investieren. Hier sind Immobilien als Assetklasse weit etabliert. Im jetzigen Stadium wird sowohl regional als auch in den Nutzungsarten noch weiter diversifiziert werden. Eine zunehmend gefragte Alternative sind Infrastrukturinvestments. Um diese Anlageklasse einem breiteren Investorenkreis zugänglich zu machen, müssen zwar noch einige regula­torische Veränderungen kommen. Aber Kreditfonds könnten durch die Novellierung der Anlageverordnung beispielsweise schon bald stärker in den Betrachtungshorizont der Investoren rücken. Für bereits bestehende Investitionen in Alternative Investments gilt es derzeit, Lösungen zu finden, die dem KAGB, dem Steuerrecht wie auch dem je­wei­ligen Investorenrecht Genüge tragen.

Als Wertpapierhaus stellt sich die DekaBank diesen neuen Verhältnissen am Kapitalmarkt. Wir setzen auf eine ganze Palette unterschiedlicher Ansätze zur effi­zienteren Nutzung der Risikobudgets. Ganz klassisch über ein übergeordnetes Risikomanagement. Eine dynamische Risikosteuerung hilft, um in schwierigen Marktphasen vor emotionalen Entscheidungen zu schützen und damit die Chancennutzung deutlich effizienter zu gestalten. Auch arbeiten wir konsequent mit Szenarien, um Unsicherheiten an den Märkten gezielt zu erfassen. Werden solche Szenarioanalysen sowie die damit verbundenen Entschei­dungsregeln und Optimierungsmodelle konsequent in den Invest­mentprozess einbezogen, kann das sowohl für die Risiko- als auch für die Ertragssituation einen großen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Und so letztlich die Möglichkeit eröffnen, bewusst mehr Risiken einzugehen.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2015