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US-Unternehmensanleihen:
Warum der Blick jenseits des Atlantiks lohnt

Unternehmensanleihen sind eine attraktive Alternative zu sicheren Staatsanleihen, die kaum noch Rendite bringen. Dabei ist nach Ansicht der Deka Anleiheexperten Saida Eggerstedt und Achim Tenschert insbesondere der US-Markt interessant. Er bietet attraktive Erträge und eine breite Titelauswahl, er ist sehr liquide und profitiert zudem von der Situation in Europa.

 

Die Renditen der wesentlichen Staatsanleihemärkte sind im Jahresverlauf relativ stark zurückgegangen. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen hat Mitte Juni erstmals im negativen Bereich notiert. Dadurch hat sich der Anlagenotstand der globalen institutionellen Investoren noch weiter verschärft.

 

Neubewertung am Anleihemarkt

„Gleichzeitig hat sich die Attraktivität von Unternehmensanleihen im Allgemeinen im relativen Vergleich gegenüber den Staatsanleihen erhöht“, erklärt Achim Tenschert, Leiter Strukturierte Geldmarkt- und Kreditprodukte bei der Deka Investment. Daneben ist das Zins- und Spreadniveau in den USA höher als in Europa. „Wir gehen derzeit auch davon aus, dass die US-Notenbank Fed trotz zuletzt wieder positiver Arbeitsmarktzahlen bei Zinserhöhungen sehr restriktiv agieren wird“, so der Experte weiter. Ein Umfeld, in dem amerikanische Corporate Bonds mit Investment Grade eine attraktive Alternative nicht nur gegenüber sicheren Staatsanleihen sein können. „Die Anlageklasse bringt einen Renditeaufschlag gegenüber ihren europäischen Pendants, der Markt bietet eine hohe Branchenvielfalt, womit Anleger besser streuen können, und wir haben dort vor allem eine viel höhere Liquidität“, fasst Eggerstedt zusammen. Zudem hätten viele US-Konzerne reichlich Cash und solide Finanzdaten. Für besonders attraktiv hält sie Titel aus dem BBB-Segment sowie Branchen wie Telekommunikation, Medien, Konsum oder Gesundheit. Auch US-Banken weisen im Durchschnitt gegenüber den europäischen Wettbewerbern eine bessere Kapitalausstattung auf und verfügen über ein profitables Geschäftsmodell. Diese Kombination spricht für selektive Engagements.

 

Indirekte Brexit-Profiteure

Aber es spricht noch mehr für den Markt: „Die Unsicherheit, die mit dem Brexit einhergeht, treibt Anleger in sichere Häfen“, erklärt Eggerstedt. „Und dazu zählen neben US-Staatsanleihen auch amerikanische Corporate Bonds.“ Dazu kommt, dass das Unternehmensanleihekaufprogramm der EZB die Renditespreads bei europäischen Firmenbonds verringert und die Liquidität am Markt reduziert hat. „Das hat bereits zu einem Crowding-out der Investoren geführt, so dass sich diese verstärkt dem liquideren und höher rentierenden US-Markt zuwenden“, erklärt Tenschert. Dieses Segment bietet also vergleichsweise attraktive Renditen und könnte Potenzial für Kursgewinne haben. Dazu kommt die Währungsseite. „Wir gehen, da wir in den USA tendenziell steigende Zinsen sehen, davon aus, dass der Dollar stark bleiben wird“, so Eggerstedt. Zwar sichert sie in ihrem US-Unternehmensanleihefonds das Währungsrisiko zu 95 Prozent ab. „Institutionelle Anleger können aber über Spezialfonds in US-Unternehmensanleihen investieren und das Währungsrisiko gemäß der eigenen Einschätzung zu einem gewissen Teil offenzulassen, um Zusatzerträge zu generieren“, so Tenschert.

 

Gründliche Einzeltitelauswahl

Trotz der guten Aussichten sollten Anleger aber genau hinsehen. Eggerstedt setzt bei ihrer Einzel­titelauswahl auf eine gründliche fundamentale Analyse der Emittenten. „Das ist wichtig, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen“, sagt sie. „Denn bei allen positiven Argumenten sind auch bei US-Corporate-Bonds Einzeltitelrisiken aktiv zu beachten. Daher ist zwingend eine fundamentale Analyse einem Erwerb voranzustellen.“

 

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, August 2016