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Praxisbericht Infrastruktur
Hohe Stabilität und planbare Cashflows gesucht

Bei niedrigen Zinsen wächst der Druck, auskömmliche Erträge zu erzielen. Infrastrukturinvestitionen sind für viele Investoren hier eine Alternative. Lutz Horstick, Leiter Kapitalanlage Wertpapiere und Darlehen bei der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, und Viola Scholzen, Abteilungsleiterin Kreditausplatzierung bei der DekaBank, diskutieren über Marktchancen, Anforderungen und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Investor und Partnerbank.

Seit wann haben Sie das Thema Infrastruktur auf der Agenda?

Horstick: Unsere ersten Investitionen stammen aus dem Jahr 2007, dabei handelt es sich um hypothekarisch besicherte Schiffsfinanzierungen und klassische Limited-Partnership-Strukturen. Seit 2010 haben wir Infrastruktur dann direkt in den Fokus genommen, haben uns 2011 in ein Konsortium eingebracht und uns direkt an Amprion beteiligt, einem der größten Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland.

 

Die geplante Energiewende war also der Einstieg?

Horstick: Das kann man so sagen. Für uns ist es wichtig, in Objekte für die Daseins­grundversorgung zu investieren. Dafür suchen wir ganz gezielt nach regulierten Assets und / oder solchen mit einer physischen Sicherheitshinterlegung, weil wir uns davon Stabilität und planbare Cashflows versprechen.

Angesichts des Investitionsstaus in vielen Bereichen der Infrastruktur und bei leeren öffentlichen Kassen könnte man annehmen, dass Sie hier viele Möglichkeiten finden.

Horstick: Dem ist nicht so. Trotz der Bankenkrise sind die Banken bei Finanzierungen im Laufzeitenbereich von fünf bis sieben Jahren noch sehr aktiv. Darauf entfällt ein großer Teil des Angebots. Wir suchen eher nach längerfristigen Investments und da findet sich vergleichsweise wenig.

Wir brauchen einen versierten Partner, um den Anforderungen in der Verhandlungsphase und in der späteren Abwicklung gerecht zu werden.

Lutz Horstick

Leiter Kapitalanlage Wertpapiere und Darlehen bei der
Ärzteversorgung Westfalen-Lippe

Was ist Ihre bevorzugte Laufzeit?

Horstick: Unsere Präferenz liegt im Laufzeitensegment über zehn Jahre. In der Praxis ist es aber nach wie vor so, dass viele Projektsponsoren zunächst auf Banken zugehen und dann eher Finanzierungsstrukturen von bis zu maximal sieben Jahren aufgesetzt werden.

Scholzen: Das ist genau der Punkt, an dem wir ansetzen. Wir sprechen mit Sponsoren, um Finanzierungen über längere Laufzeiten zu realisieren, damit sich auch Versicherungen und Versorgungswerke engagieren können.

Horstick: Was man auch bedenken muss, ist die andere Sichtweise, die wir als Langfristinvestor haben. Wir sind im Grunde Festkupon-Anleger mit einem Zielzins größer 4 Prozent, weil so auch unsere Verpflichtungsseite verzinst wird. Banken sind bei der Refinanzierung variabler, dort wird nicht in absoluten Zinsen, sondern in Spreads gerechnet. Das ist ein großer Unterschied.

Scholzen: Deshalb haben wir bei der DekaBank unser komplettes Kreditgeschäft inzwischen stärker auf die Anforderungen institutioneller Kunden ausgerichtet. Wir suchen gezielt nach Projekten, bei denen wir mit den Sponsoren über eine Ausgestaltung mit festen Kupons und längeren Laufzeiten verhandeln können.
 

Die DekaBank ist bei jeder Finanzierung bis zum Ende mit an Bord.

Viola Scholzen

Leiterin Kreditausplatzierung
DekaBank

Solchen Infrastrukturinvestitionen wird eine hohe Komplexität zugesprochen.
Erleben Sie das in der Praxis auch so?

Scholzen: Ich würde sogar von sehr komplex sprechen.

Horstick: Ja. Obwohl wir in diesem Bereich nun schon sieben Jahre Erfahrung haben, brauchen wir einen versierten Partner, um den umfassenden Anforderungen in der Verhandlungsphase und der späteren Abwicklung gerecht zu werden und um überhaupt jene Projekte zu finden, bei denen es sich lohnt, tiefer in die Verhandlungen einzusteigen.

Wie sieht dieses Zusammenspiel zwischen einem Investor und der DekaBank aus?

Scholzen: Wir sind seit über 30 Jahren in diesem Geschäftsfeld aktiv und haben daher ein sehr gutes Netzwerk. Auch können wir beurteilen, welche Projekte in der Strukturierung so viel Spielraum lassen, dass es sich lohnt, einen Investor mit an Bord zu nehmen. Dafür müssen die unterschiedlichen Interessen so zusammengebracht werden, dass es für alle zufriedenstellend ist. Für den Investor, aber auch für uns als Bank. Schließlich bleibt die DekaBank bei jeder Finanzierung bis zum Ende dabei.

Horstick: Auch für uns als Altersversorgungseinrichtung ist es kein Selbstzweck, in Infrastruktur zu investieren, sondern wir suchen ganz gezielt nach Möglichkeiten, wie wir mit Blick auf Sicherheit und Ertrag unsere Verpflichtungsseite abdecken können. Dafür brauchen wir internes Know-how, um solche Geschäfte abwickeln zu können. Aber wir nutzen ganz gezielt auch die Expertise unserer Partner wie der DekaBank, um die Umsetzbarkeit einer Projektfinanzierung zu prüfen und für uns zu gestalten. Dabei müssen auch immer viele Unsicherheiten abgewogen werden, wir müssen immer gemeinsam auf das Ziel hinarbeiten, um am Ende beim siegenden Konsortium mit am Tisch zu sitzen.

 

Sprechen wir über die Anforderungen. Worauf müssen Sie besonders achten?

Horstick: Die Regulatorik ist hier ein ganz wichtiges Thema. Bei vielen Projekten mussten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wirtschaftlich attraktive Finanzierungsvorhaben aufsichtskonform umsetzbar sind.

Scholzen: Wir sind deshalb auch mit vielen Anwälten im Gespräch, halten engen Kontakt zu den entsprechenden Aufsichtsbehörden. Nur so können wir gemeinsam Strukturen finden, die ein VAG-konformes Investieren möglich machen. Das ist ein lebender Prozess. Gerade im Moment wird wieder diskutiert, die Anlageverordnung zu ändern. Hier müssen wir vorausschauend die Strukturen so aufsetzen, dass auch künftigen Anforderungen Rechnung getragen wird. Dabei hilft es uns sehr, dass wir in der Strukturierung auf unsere eigenen Experten zurückgreifen können. Denn es hilft keinem Investor, wenn zwar alle Rahmenbedingungen passen, am Ende aber 100 Basispunkte Strukturierungs­kosten in Rechnung gestellt werden. Dann rechnen sich solche Finanzierungen nicht mehr.

Horstick: Natürlich würden wir die Assets am liebsten direkt auf die Bilanz nehmen, weil das der transparenteste Weg auch im Reporting gegenüber unseren Gremien wäre. Aber so einfach funktioniert es leider nicht.

 

Wir sitzen als Investor gemeinsam mit der Bank im einem Boot. Dadurch bekommt die Partnerschaft eine andere Qualität.

Lutz Horstick

Leiter Kapitalanlage Wertpapiere und Darlehen bei der
Ärzteversorgung Westfalen-Lippe

In Deutschland wird zwar viel über den Investitionsbedarf in Infrastruktur gesprochen. Interessante Projekte kommen aber meist aus dem Ausland. Wie gehen Sie mit dem Thema Währungsrisiken um?

Horstick: Grundsätzlich sind wir daran gehalten, unser Kapital in Euro anzulegen. Fremdwährungen sind nur in kleinerem Umfang als Beimischung möglich. In der Praxis verfahren wir so, dass wir das Währungsrisiko unmittelbar absichern – wenn das die Marge hergibt. Um Planungssicherheit bezüglich der Cashflows zu erhalten, versuchen wir, variable Verzinsungen in fixe Kupons zu tauschen. Es kommt aber auch vor, dass wir Währungspositionen für einen gewissen Zeitraum offen halten und die Sicherung erst zu einem späteren Zeitpunkt einziehen, um weiteres Ertragspotenzial zu erschließen. Konkretes Beispiel: Aktuell sind wir beim US-Dollar eher offen, weil wir über die nächsten Monate von einem etwas stärkeren Dollar ausgehen. Wir sichern die Währung erst dann ab, wenn wir das entsprechende Niveau erreicht haben.

Scholzen: In Fragen der Absicherung sind wir mit unseren Kunden auch immer im engen Dialog, identifizieren gemeinsam die Risiken, die wir mitigieren können, damit die Finanzierung insgesamt besser funktioniert. Dazu beraten wir uns mit unseren Experten im Zins- und Währungsmanagement, legen beispielsweise Stopp-Levels fest. Wichtig dafür ist es, dass wir unsere Kunden und deren spezifische Anforderungen gut kennen. Dann wissen wir, wo wir sehr proaktiv steuern müssen oder wo es auch mal etwas Puffer gibt, um Marktschwankungen auszusitzen.

 

Wie sind Sie dafür aufgestellt?

Scholzen: Wir haben eine eigene Einheit aufgebaut, die Investoren betreut und sowohl im Kreditbereich als auch im Portfoliomanagement unterstützt. Sobald der Kunde investiert hat, übernehmen die Kollegen. In diesem Anlagesegment gibt es ständig Veränderungen und darauf müssen wir gemeinsam mit dem Kunden schnell reagieren können. Wenn es beispielsweise neue Anforderungen aus der Anlageverordnung gibt, dann sprechen wir die Kunden aktiv an, die möglicherweise in ihren Strukturen Veränderungen vornehmen müssen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die DekaBank selbst bei jeder Finanzierung bis zum Ende mit an Bord ist. Nur so können wir diese enge Investorenbetreuung gewährleisten.

Horstick: Wir haben nach dem Erstinvestment regelmäßige Review-Termine mit den Kreditteams und Spezialisten der DekaBank. Das ist wichtig, weil sich während der Laufzeit so vieles ändert – auf der Marktseite, bei den Assets und auch auf Investorenseite. Für uns ist der ständige Austausch mit unseren Ansprechpartnern eigentlich das Wichtigste.

 

Viele Investoren stehen aktuell vor der Entscheidung, in Infrastruktur­investments einzusteigen. Was geben Sie denen mit auf den Weg?

Horstick: Man muss sich entscheiden, ob man die für dieses Anlagesegment erforderlichen Kompetenzen selbst aufbauen will oder ob man sich von Beginn an einen starken Partner sucht. Denn es ist kein Anlagesegment, das man nebenher laufen lassen kann. Auch für uns war es ein Lernprozess, auch wir haben schon über mehrere Monate an einer Transaktion gearbeitet und am Ende auf das falsche Konsortium gesetzt. Aus der Erfahrung wissen wir heute den Partaker-Ansatz, den die DekaBank bei allen Infrastruktur­investitionen konsequent umsetzt, sehr zu schätzen. Wir sitzen als Investor gemeinsam mit der Bank in einem Boot. Dadurch bekommt die Partnerschaft eine ganz andere Qualität.

Viola Scholzen


ist seit 2008 Leiterin der Abteilung Kreditausplatzierung bei der DekaBank. Zuvor war sie bei der Citibank im Bereich Structured Credit and Special Solutions Sales tätig. Zu früheren beruflichen Stationen gehören Pinnacle Capital Ltd., Via Capital Ltd. London sowie die Commerzbank.

 

Lutz Horstick


leitet seit März 2011 die Wertpapier- und Darlehensabteilung der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, in der die klassischen und alternativen Anlagen sowie das Darlehensgeschäft (gewerblich und privat) betreut werden. Davor war er ab 2001 als Asset Manager tätig. Horstick ist ausgebildeter Bankkaufmann und Betriebswirt. Er ist zudem Certified European Financial Analyst (CEFA).

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2014