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Impact Investing
Konkret werden

Impact Investing gilt als die konsequenteste Form der nachhaltigen Geldanlage. In Deutschland steht diese Investmentidee noch am Anfang.

Im Zuge der Debatte über den Klimawandel wächst bei Investoren der Wunsch, mit ihrer Investition konkret etwas zu bewirken und dies messen zu können. Hier setzt das Impact Investing an. Gegenüber dem ESG-Investing gibt es signifikante Unterschiede. „Klassisches ESG-Investing schaut auf die finanzielle Rendite, verbunden mit dem Interesse, den Schaden an Gesellschaft und Umwelt beim Investieren zu minimieren“, so Johannes P. Weber von der BMW Foundation Herbert Quandt. „Beim Impact Investing steht dagegen die nachweisliche gesellschaftliche Wirkung im Mittelpunkt, daneben soll aber auch eine finanzielle Rendite erwirtschaftet werden.“

 

Der Begriff Impact Investing wurde 2007/08 bei einer Serie von Veranstaltungen der amerikanischen Rockefeller Foundation geprägt. Der verhältnismäßig jungen Investmentdisziplin fehlt es entsprechend noch an verbindlichen Definitionen und Standards. Aspekte wie die Messbarkeit der Wirkung oder welche Art von Wirkung überhaupt zielführend ist, sind dabei noch weitestgehend offen. Das Impact Management Project (IMP), ein Netzwerk von Stiftungen, Asset Managern und Banken, hat eine Übersicht entwickelt, die zumindest einen ersten Orientierungsrahmen bieten kann (s. Grafik).

Impact Dimension

Fragen zum

Impact der jeweiligen Dimension

Was

Auf welches Ergebnis zielen die Geschäftsaktivitäten des Unternehmens? Welche Rolle spielen die Ergebnisse für die Menschen, die sie betreffen bzw. den Planeten?

Wer

Wer ist vom Ergebnis betroffen? Wie unterversorgt sind die betroffenen Interessengruppen in Bezug auf das Ergebnis?

Wieviel

Was ist in Bezug auf Umfang, Tiefe und Dauer des Ergebnisses zu erwarten?

Beitrag

Wie groß ist der Beitrag des Unternehmens zum Ergebnis? Wie wäre das Ergebnis ohne den Beitrag des Unternehmens ausgefallen?

Risiko Wie groß ist das Risiko für das Unternehmen und die Investoren? Wie können die Risiken gemessen und reduziert werden?

 

Quelle: Impact Management Project, https://impactmanagementproject.com/impact-management/what-is-impact/, 26.11.2019

In jeder Anlageklasse umsetzbar

Mikrofinanzprodukte werden in der Regel als klassische Möglichkeit des Impact Investing genannt, da hier konkrete Einzelprojekte gefördert werden und die Initiatoren über Nutzung der Gelder und den Erfolg der Projekte Rechenschaft ablegen. Daneben spielt in Deutschland auch die Bereitstellung von Primärkapital an Sozialunternehmen über Intermediäre wie Ananda oder BonVenture eine Rolle. Aber das Anlageuniversum wächst, und so werden heute teilweise auch Green Bonds und spezifische Investmentfonds unter dem Begriff erfasst. Für Weber ist Impact Investing ein Anlagestil, der prinzipiell in jeder Anlageklasse umgesetzt werden kann, solange bestimmte Voraussetzungen wie Intention, Wirkungsorientierung und die entsprechende Messbarkeit gegeben sind. Auch die Deka wird 2020 Impact-orientierte Produkte auflegen. Bei diesen Strategien spielt neben der finanzwirtschaftlichen Analyse und dem ESG-Screening der Wertpapiere auch eine Rolle, inwieweit etwa Anleihen positive soziale und ökologische Veränderungen finanzieren und diese Veränderungen konkret messbar sind.

Markt durch staatliche Anreize stimulieren

Der deutsche Markt für Impact Investing macht nach Untersuchungen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) 2018 mit einem Volumen von rund 13 Mrd. Euro rund zehn Prozent des Gesamtvolumens an nachhaltigen Fonds und Mandaten aus. Getragen wird der Markt hierzulande aktuell vor allem von Privatinvestoren. Johannes Weber sieht hierfür regulatorische Gründe: „Privatanleger sind freier in ihren Investmententscheidungen und nicht einer starken Regulatorik unterworfen wie institutionelle Investoren oder Stiftungen.“ Mehr staatliche Anreize könnten nach Webers Meinung den Markt in Deutschland stimulieren: „Derzeit gibt es keinerlei finanzielle Anreize für Impact-Investing-Fonds.“ Auch eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Akteure sei wünschenswert: „Es gibt in der Branche noch ein starkes Silodenken. Aber die Erfahrung einzelner Akteure, zum Beispiel im Bereich der Wirkungsmessung, lässt sich auch in der Breite nutzen. In einer stärkeren Kooperation von institutionellen Investoren, Sozialunternehmen, Entwicklungsfinanzierern etc. liegt großes Potenzial. Dies ist unter anderem das Ziel der Bundesinitiative Impact Investing, einer Plattform zur Weiterentwicklung des Impact Investing-Ökosystems in Deutschland“.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2020