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Green- und Social-Bonds
Klimaschutz am Kapitalmarkt

Der Markt für nachhaltige Anleihen wächst rasant. Immer mehr Investoren setzen auf die nachhaltigen Papiere, gleichzeitig steigt die Zahl der Anbieter von Green Bonds. Die Deka unterstützt Anleger bei der Auswahl und potenzielle Emittenten beim Emissionsprozess und bei der Platzierung.

Das Klima für nachhaltige Anleihen könnte kaum besser sein: Immer mehr Investoren ist daran gelegen, ihr Kapital klima­schonend und gesellschaft­lich verant­wortungs­voll zu investieren. Dafür steht ihnen mittler­weile auch auf Anleihe­seite ein immer größeres Universum zur Verfü­gung. Zehn Jahre nachdem die Europäische Entwicklungs­bank (EIB) den weltweit ersten Green Bond emittiert hat, wächst das Segment wie kaum ein zweites (siehe Grafik „Weltweit auf Wachstumskurs“).

 

Was aber sind das für Papiere, die sich einer wachsenden Nachfrage von Investoren und einer steigenden Aktivität unterschied­lichster Emittenten gleicher­maßen erfreuen? Im weitesten Sinne dienen Green Bonds unab­hängig von ihrer konkreten Struktur dazu, klima­schützende Projekte zu finanzieren oder zu refinanzieren. Heraus­gegeben von Förder­banken, Geschäfts­banken, Unternehmen und mittler­weile auch von Staaten, werden mit den grünen Anleihen beispiels­weise Solar- und Windkraft­anlagen sowie andere regenerative Energien finanziert. Aber auch nachhaltiges Abfall- und Wasser­management, klima­effiziente Gebäude und Transport­lösungen sind Adressaten einer Green-Bond-Finanzierung (siehe Grafik „Erweitertes Spektrum bei Green Bonds“).

Weltweit auf Wachstumskurs
Green-Bond-Emissionen (in Mrd. Dollar)

Quelle: Climate Bonds Initiative (CBI); Stand: 2017

Green Bond Principles als Maßstab

Einen global verbind­lichen Standard, der,festlegt, welche Anleihen als Green Bond gelten können, gibt es dabei bislang weder hinsicht­lich der Struktur noch bezüglich der finanzierten Projekte. Als weithin anerkannten Maßstab haben sich aber zum einen die Zertifi­zierung der Climate Bonds Initiative (CBI) und zum anderen vor allem die Green Bond Principles durchgesetzt. Die gleich­namige Kooperation von Emittenten, Banken, Investoren und Umwelt­organisationen, der seit November 2016 auch die Deka angehört, definiert unter dem Dach der International Capital Market Association (ICMA) Vorgaben für die Verwendung und Verwaltung der Emissions­erlöse sowie die Bericht­erstattung daruüber. Gerade erst hat sie die Prinzipien nochmals konkretisiert: Mit der Veröffent­lichung der aktuellen Fassung der Green Bond Principles Anfang Juni wurden sowohl die Projektkategorien aktualisiert als auch die Empfehlungen für den Bewertungs-, Auswahl- und Management­prozess der Markt­entwicklung angepasst. Parallel wurden erstmals eigenständige Social & Sustainability Bond Principles veröffentlicht.

 

Zum Kern der Green Bond Principles zählen neben der Definition grüner Projekte insbe­sondere Transparenz­anforderungen. So sind die Emittenten grüner Anleihen angehalten, über ein jährliches Reporting offen­zulegen, in welche Projekte mit welchen konkreten klima­schützenden Erfolgen die Emissions­erlöse geflossen sind. Das soll Investoren eine Evaluierung des jeweils infrage stehenden Papiers erleichtern.


Ergänzend wird die Einhaltung der Green Bond Principles vielfach durch Dritte überprüft: Verschiedene Agenturen und Organi­sationen bieten eine sogenannte Second Party Opinion (SPO). Die SPO dient vor allem dazu, bereits im Vorfeld der Emission den erwarteten Nachhaltigkeits­effekt zu bestätigen. Weitere fortlaufende Ratings bewerten einzelne Emissionen, aber vielfach auch die Emittenten selbst.

Gesamtausrichtung der Emittenten im Blick

Für immer mehr Investoren ist eine derartige ganzheitliche Betrachtung, die die Gesamtausrichtung eines Emittenten mit Blick auf dessen ökologische und soziale Nachhaltigkeit bewertet, von elementarer Bedeutung. Von den Green Bond Principles empfohlen, findet sie auch bei den entsprechenden Eigenanlagen und den angebotenen nachhaltigen Anlageprodukten Anwendung.


Entsprechend unterstreicht Viktoria Gerling die Wichtigkeit, dass Emittenten eine über die Green-Bond-Auflage hinausgehende erkennbare Ausrichtung auf Nachhaltigkeit verfolgen: „Investoren erwarten, dass die Institute sich klar zu dem Thema bekennen, um glaubwürdig zu sein“, sagt die im Deka Team Daueremittenten & Emissionsgeschäft für Green und Social Bonds verantwortliche Gerling. „Schließlich erfordert eine befriedigende Erfüllung der Green Bond Principles ein Bekenntnis der gesamten Institution und nicht nur einer spezialisierten Abteilung.“ Beratung bei der Konzeption, die Strukturierung und Platzierung von Green Bonds zählen zu einem zunehmend wichtigen Geschäftsfeld. Bereits seit einigen Jahren ist die Deka als Arrangeur von nachhaltigen Bonds aktiv. So hat sie z. B. als einer von vier Lead Managern 2015 das Bundesland Nordrhein-Westfalen bei der Strukturierung und Platzierung seiner ersten nachhaltigen Anleihe begleitet; im Januar 2017 fungierte das Haus als Lead Manager bei der Emission eines Climate Awareness Bonds der EIB.


„Als sehr nachhaltig ausgerichtetes Finanzinstitut wollen wir unser Engagement auch in diesem Segment weiter deutlich ausbauen“, sagt Gerling. „Dabei geht es zunächst darum, Netzwerke zwischen Emittenten, Investoren und SPO-Anbietern aufzubauen und potenzielle Emittenten beratend zu begleiten.“ Das Potenzial ist groß, insbesondere im öffentlichen Sektor und auch abseits der bislang dominierenden neuen Energien. Die CBI geht von einem Volumen von mehr als 36 Milliarden Euro aus, das über Green Bonds platziert werden könnte.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017