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Ertragspotenzial im Depot A
Ein Verzicht auf Kapitalmarktrendite ist keine Option

Wie viel mehr Risiko sind 50 Basispunkte wert? Wenig, wenn man in Maßstäben vergangener Jahre misst. Viel, wenn man die Relation zu aktuellen Renditen am Geld- und Kapital­markt, speziell für „sichere“ Anlagen, betrachtet – und dann noch berücksichtigt, dass es kaum Alternativen gibt, um überhaupt die erforderlichen Zielrenditen zu erreichen.

Während „in alten Zeiten“ die Entscheidung gegen eine Investition geringer ins Gewicht fiel, müssen Sparkassen diesen Schritt heute sehr bewusst abwägen. „Die durch Nicht-Investition verpassten Erträge in der Zukunft belasten nicht nur das aktuelle GuV-Ergebnis, sondern führen auch zu einer Gefährdung der Risikotrag­fähigkeit in den kommenden Jahren“, sagt Matthias Kowallik, Leiter Institutionelle Kunden Sparkassen.

Ein bisschen Optimieren reicht nicht

Die Entscheidung gegen eine Investition muss folglich sehr gut überlegt sein. „In den vergangenen Jahren haben Sparkassen auf der Aktivseite einen Ertrag von fünf bis sieben Prozent erwirtschaftet, die Einlagen auf der Passivseite haben nicht mehr als zwei Prozent gekostet“, führt Kowallik aus. Die Passiva, zum Beispiel Spareinlagen, sorgten also für einen auskömmlichen Puffer. „Die Differenz zwischen Ertrag auf der Aktivseite und Aufwand auf der Passivseite bot viel Freiraum, Ertragspotenziale auch mal nicht vollständig auszuschöpfen.“ Diese Zeiten sind vorbei. Während die Zentralbanken Minuszinsen zahlen, steht bei Kundeneinlagen weiterhin ein kleines Plus. Der Konditionsbeitrag hat also teilweise ins Negative gedreht. Was aber nicht bedeutet, dass es keine Optionen gibt, selbst bei historisch niedrigen Zinsen Mehrerträge zu erzielen. „Tatsächlich ist die Steilheit der Zinskurve, also die Differenz von kurzen und langen Laufzeiten, noch sehr interessant“, so Kowallik. Außerdem dürfe die Möglichkeit zu extrem günstiger Refinanzierung nicht außer Acht gelassen werden. „Zwar haben sich Spread und Zins in absoluten Größen auf ein ungewohnt niedriges Niveau reduziert, aber wir sehen dennoch einen starken Anstieg in den relativen Ertragskomponenten“, erklärt Kowallik. Der Spread in Relation zum Zins habe deutlich zugelegt.

Aber reicht das aus, um mehr Ertrag zu erzielen? „Ja“, ist Kowallik überzeugt. Wenn man die kleinen Veränderungen kontinuierlich und rechtzeitig bemerke, könne man sich deutlich besser an große bevorstehende Veränderungen anpassen. Wichtig ist aus seiner Sicht, die Aufstellung permanent zu optimieren: „Es muss schon an vielen Stellschrauben gedreht werden, damit am Ende ein auskömmliches Ergebnis erzielt werden kann.“ Es gebe aber noch ein weiteres Risiko, das Investoren derzeit unbedingt im Blick behalten müssen: „Ein Swapsatz von 0,58 Prozent auf fünf Jahre verzeiht einfach keinen großen Zinsanstieg.“ Deshalb müsse in diesem Marktumfeld vor allem auf außerplanmäßige Bewegungen stark geachtet werden, damit daraus keine negativen Ergebniswirkungen resultieren. Ein passendes und ge­zieltes Overlay Management ist wichtig und kann effizient vor Extremrisiken schützen. Daneben steht dann noch die Frage, wie Risiken richtig gesteuert werden. „Hier gilt es abzuwägen, wie groß die Schwankungsbreite eines Portfolios sein darf“, sagt Kowallik.

 

Es lohnt sich, auch für kleinere absolute Renditen die Anlagestrategie zu optimieren.

Matthias Kowallik

Institutionelle Kunden,

Leiter Sparkassen & Finanzinstitute, Deka

Aus Sorge vor möglichen Ausfallrisiken gänzlich auf Investitionen zu verzichten, ist keine Lösung. Vielmehr müsse sehr differenziert ge­prüft werden, was tatsächlich passieren kann. „Wenn es bei einzelnen Anlagen nur ein temporärer barwertiger Verlust ist, der aus Spread-Schwankungen resultiert, ist das mit Blick auf das Gesamtportfolio immer noch gut steuerbar.“ Diese Differenzierung schafft dann wiederum den Freiraum, um das Potenzial der Märkte beispielsweise über aktive Multi-Asset-Strategien zu nutzen. Hier liegen nach wie vor große Chancen, denn das Spiel der Märkte ist weiter intakt.

Depot A bringt Flexibilität fürs Kundengeschäft

 

Die klassischen Vorteile des Depot A gewinnen zunehmend an Bedeutung, auch wenn der absolute Ertrag relativ niedrig erscheint. „Das ist aber nur ein Teil der Rechnung. Die Alternative würde ja bedeuten, das Risiko einer Investition am Kapitalmarkt nicht einzugehen und die Zusatzerträge nicht zu erwirtschaften“, führt Kowallik aus. Das würde allerdings ganz andere Risiken mit sich bringen, die man keinesfalls außer Acht lassen dürfe.

„Der Refinanzierungsblock im Depot A bringt die erforderliche Flexibilität, die es zum Ausgleich eines perspektivisch sicher noch volatileren Kundengeschäfts braucht“, erklärt er. Denn der Wettbewerb um Kundeneinlagen werde sich weiter verschärfen – allein schon, weil sich auch im Internet neue Angebote herauskristallisierten. So könnten aus heutigen Ansätzen zu Bezahl­lösungen perspektivisch Banken werden, die den Wettbewerbsdruck weiter erhöhen. Google Wallet oder die eBay-Tochter PayPal sind hier Beispiele. Schon mehr als ein Viertel aller Interneteinkäufe werden heute schätzungsweise über PayPal bezahlt. In Deutschland zählt dieser Anbieter inzwischen rund 15 Millionen Kunden, weltweit sind es 230 Millionen.

Aber auch der Druck auf die Profitabilität der Banken wird weiter wachsen. Hohe Anforderungen von Regulierungsseite sind der Haupttreiber, aber auch der Trend zu mehr Effizienz und Simplifizierung sowie die Digitalisierung werden die Geschäftsmodelle von Banken nachhaltig verändern.

 

Anteil der Bonitätsprämie am Gesamtertrag über 50%

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen; Stand: 18.08.2014

Fehlende Liquidität ist ein Kernrisiko

„Das sind auch für Sparkassen potenzielle Gefährdungen“, glaubt Kowallik. Mit mehr Wettbewerb ist auch mehr Volatilität im Einlagengeschäft sehr wahrscheinlich. Umso wichtiger sind deshalb verlässliche Puffer im Eigenbestand. Sonst wird jede Schwankung auf der Passivseite zum Problem, weil der Ausgleich nicht einfach über das Depot A erfolgen kann. Kurzfristig Liquidität beschaffen zu müssen birgt ein nicht unerhebliches Risiko der Abhängigkeit. Das ist ein Kernrisiko, nicht erst seit der Finanzkrise. Deshalb steht es für ihn auch außer Frage: Auf Refinanzierung zu so günstigen Konditionen darf nicht verzichtet werden. „Wenn wir dies alles mit berücksichtigen, sieht die Rechnung ganz anders aus“, lautet Kowalliks Fazit. Dann lohnt es sich nämlich durchaus, auch für kleinere absolute Renditen die Anlagestrategie zu optimieren.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, September 2014