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Chancen verschiedener Anlageklassen nutzen „Wir haben noch nie einen Risikopuffer verletzt“

Risikobudgets effizient einsetzen und Extremrisiken durch gezieltes Overlay Management absichern – damit entsteht Spielraum, um Renditepotenziale an den Kapitalmärkten stärker zu nutzen. Ein weiterer Baustein für den Gesamt­erfolg eines Portfolios ist die taktische Allokation. Ein Gespräch mit Thomas Reiland, Leiter Multi-Asset-Investments bei Deka Investment, über die risikoorientierte Portfoliokonstruktion.

Herr Reiland, Ihr Konzept zur Risikosteuerung basiert auf Multi-Asset-Strategien mit Total-Return-Ansatz. Was ist das Besondere daran?

Reiland: Das Besondere daran ist der Risikopuffer, den der Anleger, zum Beispiel eine Sparkasse, bestimmt. Im klassischen Modell beträgt dieser Puffer fünf Pro­zent. Außerdem klären wir ab, welche Assetklassen die Sparkasse zulässt. Aus Risiko- oder Regulierungsgesichtspunkten bestehen hier von vornherein Einschränk­ungen. Mit diesen Informationen stellen wir dann das Portfolio zusammen.


Also das Geheimnis der Portfoliokonstruktion …

Reiland: Genau. Anhand unserer aktuellen Einschätzungen simulieren wir über ein Risiko­optimierung­stool den optimalen Assetklassen-Mix aus heutiger Sicht. Dann stimmen wir im filigranen Bereich noch einmal ab, wie groß beispielsweise eine Position in Aktien sein kann, sodass wir noch innerhalb unserer Risikoparameter bleiben. Dafür verwenden wir ein weiteres Managementtool. Damit ist der Risikopuffer ausgeschöpft und die Sparkassen können mit einer bestimmten Rendite rechnen, vorausgesetzt, unsere Einschätzungen treffen zu.


Wie entstehen diese Einschätzungen?

Reiland: Wir haben einen übergeordneten Entscheidungsprozess, in dem vom Chief Investment Officer Impulse gegeben werden im Sinne eines positiven oder negativen Risikoumfeldes. Dazu kommen die Einschätzungen unserer Spezialisten zu Einzeltiteln oder Unternehmensanleihen. Das gesamte Anlage­universum ist aufgeteilt in verschiedene Parameter. Dazu gehören Aktien, Renten in den Ausprägungen Staatsanleihen, Emerging Markets und Unternehmensanleihen, Währungen und Einzeltitel-Aktien. Zusätzlich zu diesen Informationen stelle ich eigene Analysen an. Auf dieser Basis entsteht eine Empfehlung, die der einzelne Fondsmanager nach seiner Überzeugung umsetzt.


Und wenn Sie doch einmal schiefliegen oder etwas Unvorhergesehenes an den Märkten passiert?

Reiland: Der Risikopuffer ist dafür da, dass er genutzt wird. Unter Umständen entstehen in einer begrenzten Phase auch Verluste. Aber es gibt ganz klare Regeln. Wenn wir bei einem Puffer von fünf Prozent die Hälfte verloren haben, gehen wir aus dem Risiko und investieren erst wieder, wenn wir eine relativ hohe Konfidenz haben. Die positive Botschaft ist aber, dass wir noch nie einen Puffer verletzt haben. Er füllt sich übrigens nicht am Jahresende oder Jahresanfang wieder auf, das ist eine Besonderheit. Dafür sind wir verantwortlich. Außerdem ist vereinbart, dass der Anleger, solange er bei uns investiert ist, nie mehr als diese fünf Prozent Risiko hat. Wenn also der Fondspreis von 100 auf 102 steigt, dann liegt die neue Unterkante bei 97 statt vorher bei 95. So werden einmal angefallene Gewinne zum Teil abgesichert.

„Wir stimmen ab, wie groß eine Aktienposition sein kann, sodass wir noch innerhalb der Risikoparameter

bleiben.“

Thomas Reiland

Leiter Multi-Asset-Investments,
Deka Investment

Wie groß ist Ihre Entscheidungsfreiheit?

Reiland: Die Freiheitsgrade sind immer so groß, wie es der Anleger zulässt. In der Regel gibt es Beschränkungen für die verschiedenen Assetklassen, aber in unseren Anlageentscheidungen sind wir frei. Bei einem so stark am Risiko ausgerichteten Konzept ist es natürlich notwendig, häufiger umzuschichten. Bei manchen Positionen informieren wir den Anleger auf jeden Fall, wenn wir zum Beispiel die festgelegte durchschnittliche Aktienquote deutlich erhöhen oder wenn wir Risikopositionen wie High-Yield-Anleihen oder Emerging-Markets-Anleihen eingehen.


Total-Return-Konzepte beweisen ihre Stärke in fallenden oder volatilen Seitwärtsmärkten. Laufen sie gut, verzichtet der Kunde auf Rendite …

Reiland: Das sind die zwei Seiten einer Medaille. Wenn wir eine definierte Zielgröße erreicht haben, dann gehen wir aus einer Position heraus. Außerdem kalkulieren wir immer das Overnight-Risiko. Bei großen Positionen können politische Ereignisse über Nacht zur Gefahr werden, etwa bei Unruhen und Kämpfen im Irak oder in der Ukraine. Sind die Märkte am nächsten Morgen stark im Minus, ist der Puffer gefährdet. Dieses Risiko gehen wir nicht ein und verzichten dafür auf Ertrags­chancen. Gerade weil die Märkte in den vergangenen Jahren gut gelaufen sind und die Zinsen extrem niedrig sind, den­ken viele Investoren aber darüber nach, mehr Risiko einzugehen. Für Marktbeo­bachter ist das ein Warnsignal.


Für Anleger ist es also an der Zeit, über Risikosteuerung durch taktische Allokation nachzudenken?

Reiland: Absolut. Immer dann, wenn Anleger stärker in Risiko denken, kommt oft ein Ereignis, das klar macht, welche Risiken in den Kapitalmärkten stecken. In diesen Phasen spielt unser Konzept seine Stärken aus. Die Ergebnisse sind im langfristigen Durchschnitt sehr stark geglättet und relativ planbar. Aber der größte Vorteil ist, dass der Anleger ruhig schlafen kann. Es gibt eine klare Risikovorgabe, an die wir uns halten. Sollte etwas Unvorhergesehenes an den Märkten passieren, haben wir über die Stop-Loss-Systematik und den Value-at-Risk-Ansatz bei der Konstruktion schon dafür gesorgt, dass wir die Verluste eingrenzen können.


Welche Potenziale sehen Sie in bestehenden Portfolios?

Reiland: Die meisten Sparkassen haben Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen mit guter Bonität sowie Aktien aus dem DAX und Euro Stoxx als Basis­investments im Portfolio. Hier bietet eine größere weltweite Diversifikation Chancen. Gerade im Aktiensegment gibt es einzelne Märkte, die sehr stark risikodiversifizierend wirken, zum Beispiel Japan. Das gleiche gilt für Emerging-Markets-Anleihen. Auch Währungen sind eine gute Einkommensquelle, sofern die Regulierung sie zulässt, weil sie häufig eine höhere innere Verzinsung haben und auch als Diversifikator wirken. Im Rentensegment wäre eine negative Duration wichtig. Nachdem die Zinsen in den letzten zehn Jahren durchweg gefallen sind, ist irgendwann ein Ende erreicht. Über Derivate lässt sich ein Zinsanstieg abfedern oder sogar vom Zinsanstieg profitieren.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, September 2014