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Frankfurt, 08. Mai 2020

Aktuelle Bewertung für die Anlageklassen
von Stefan Keitel, Deka-Chefanlagestratege

Die globale Ausbreitung des Coronavirus hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt und zu massiven Verwerfungen an den Kapitalmärkten geführt. Innerhalb weniger Wochen sind die Aktienkurse um durchschnittlich 40 Prozent eingebrochen. Parallel dazu haben sich die Risikoprämien von Unternehmensanleihen sprunghaft ausgeweitet und das Niveau der Eurokrise erreicht. Erst das beherzte Eingreifen von Notenbanken und Regierungen sowie die Hoffnung auf eine schrittweise Lockerung der restriktiven Maßnahmen lies die Kurse zuletzt wieder deutlich steigen. Verglichen mit den „Panikniveaus“ von Mitte März haben sich die Aktienindizes in Europa und den USA um 30 Prozent erholt und die Aufschläge an den Kreditmärkten merklich eingeengt.

 „Verglichen mit den „Panikniveaus“ von Mitte März haben sich die Aktienindizes in Europa und den USA um 30 Prozent erholt.“ 

Stefan Keitel

Vorsitzender der Geschäftsführung
Deka Investment

In Anbetracht der dynamischen Kurserholung scheinen die Investoren derzeit offensichtlich bereit durch den konjunkturellen Einbruch hindurchzusehen. Zwar dürfte der diesjährige Wachstumseinbruch das Ausmaß der „Globalen Finanzmarktkrise“ noch deutlich übersteigen, gleichzeitig ist aber auch mit einer spürbar schnelleren Erholung zu rechnen. Das sind wesentliche Einflussfaktoren für die Entwicklung der Unternehmensgewinne und der Frage nach der Bewertung. Infolge stark negativer Revisionen liegt das erwartete Gewinnwachstum für dieses Jahr mittlerweile bei durchschnittlich minus 25 Prozent. Sollten sich die pessimistischen Konjunkturprognosen bewahrheiten, sind weitere Anpassungen zu befürchten. Dies droht nicht nur die Stimmung der Anleger zu belasten, sondern hinterlässt auch tiefe Spuren in der Bewertung. Während sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien (basierend auf den Gewinnerwartungen für 2020) mit aktuell 16 nur knapp oberhalb des historischen Durchschnitts befindet, haben US-Aktien mit einem Wert von 21 sogar die Höchststände vom Jahresanfang überschritten. Die Gefahr für temporäre Rückschläge ist infolge der jüngsten Kurserholung damit deutlich gestiegen. Dies sollte jedoch nicht als Beginn einer zweiten „Abwärtswelle“, sondern vielmehr als Kaufgelegenheit angesehen werden. Gerade strategischen Investoren, die über einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont verfügen, verspricht der Blick auf das kommende Jahr außergewöhnlich hohe Wachstumsraten. Sollte es nicht zu einem erneuten „Shut-Down“ kommen, könnte die Weltwirtschaft bereits gegen Ende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

 

Neben einem Investment auf der Aktienseite bieten sich mittlerweile aber auch bei Anleihen wieder attraktive Einstiegschancen. EZB und US-Notenbank haben zur Bekämpfung der Krise massive Kaufprogramme verabschiedet und auf das Segment der Unternehmensanleihen ausgeweitet. Hiervon sollten insbesondere Emittenten mit besseren Bonitäten profitieren können. Dies zeigt sich auch bereits in einer Stabilisierung der Risikoprämien. Trotz der jüngsten Einengung befinden sich die Renditeaufschläge auf dem Niveau von 2012 und dem damit höchsten der vergangenen sieben Jahre.

 

Stand: 08.05.2020